Der Mann hinter dem US-Datenleck

von Redaktion

Als IT-Fachmann hatte der 21-Jährige Zugang zu sensiblen Informationen

Washington – Gepanzertes Fahrzeug, Gewehre im Anschlag, schusssichere Westen, Helme: Die Polizisten des FBI, die am Donnerstagnachmittag vor dem Elternhaus von Jack Teixeira anrücken, sind auf alles vorbereitet. Denn sie suchen einen Mann, der für eines der größten Geheimdienst-Datenlecks in der Geschichte der USA verantwortlich ist. Doch aus dem Haus tritt kein Schwerbewaffneter, sondern ein schlaksiger, junger Mann in T-Shirt und roter kurzer Sporthose. Seine Hände hat er hinter dem Kopf verschränkt als Zeichen dafür, unbewaffnet zu sein. Jungenhaft und ungefährlich wirkt er, fast ein wenig hilflos. Widerstandslos ergibt er sich.

Tagelang suchten Ermittler fieberhaft nach der undichten Stelle in der Daten-Affäre – nach der Person, die für die Veröffentlichung Dutzender vertraulicher Dokumente der US-Geheimdienste und des Pentagons im Internet verantwortlich ist. Schon seit Wochen kursieren sie teils in originaler Form, teils manipuliert im Netz. Sie enthalten hochsensible Informationen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, auch zu Spähaktionen der USA gegen Verbündete. Der Schaden ist immens, das Vertrauen in den Partner USA angekratzt. Der mutmaßliche Maulwurf: ein Mann aus den eigenen Reihen.

Jack Teixeira ist 21 Jahre alt, IT-Fachmann auf einem Militärstützpunkt in Massachusetts. Auf der bei Videospielern beliebten Plattform Discord leitet er laut Medienberichten eine Chat-Gruppe, die sich 2020 während der Corona-Pandemie gründete. Er erzählt der Gruppe, dass er auf dem Militärstützpunkt, wo er arbeite, an die Dokumente gelangt sei. Dort habe er Teile des Tages in einer abgesicherten Einrichtung verbracht, in der Mobiltelefone und andere elektronische Geräte verboten gewesen seien. Daher habe er die Dokumente zunächst abgeschrieben. Doch mit der Zeit wird Teixeira leichtsinnig. Er beginnt, Fotos von ausgedruckten Dokumenten hochzuladen. Mitte März hört Teixeira plötzlich auf, Dokumente mit der Chat-Gruppe zu teilen. Grund war den Recherchen nach, dass jemand aus dem Kreis Unterlagen in einer anderen Gruppe postete.

Anders als etwa bei den Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden deutet bislang nichts auf ein politisches Motiv hin. Trotz düsterer Ansichten sei Teixeira nicht unbedingt feindselig gegenüber der US-Regierung gewesen, sagen Mitglieder der Chat-Gruppe. Auch dass er ein russischer oder ukrainischer Agent gewesen sei, halten sie für unrealistisch.

Aber wie kann es sein, dass ein blutjunger Mitarbeiter Zugang zu derart sensiblen und brisanten Informationen hat? Offiziell ist dazu noch nichts bekannt. Pentagon-Sprecher Pat Ryder betont, beim US-Militär werde Mitarbeitern nun mal oft „schon in jungen Jahren eine große Verantwortung“ übertragen. „Denken Sie an einen jungen Platoon Sergeant und die Verantwortung und das Vertrauen, das wir in diese Personen setzen, wenn sie Truppen in den Kampf führen.“

M. TRÖNDLE/C. JACKE

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