Zugabenkonzert mit Stars aus einer anderen Zeit

von Redaktion

Wie Dampflokomotiven kurz vor dem Zielbahnhof: „Rock meets Classic“ in der Münchner Olympiahalle

VON ARMIN RÖSL

59, 62, zweimal 66, 68 und 75. Nur der 41-jährige Ronnie Romero (aktueller Sänger der Uralt-Rockband Rainbow) schert als Jungspund aus. Ansonsten: lauter laute Alte bei „Rock meets Classic“ am Sonntag in der mit rund 4500 Gästen gut gefüllten Olympiahalle. Joey Tempest, 59, Sänger von Europe; Mike Tramp, 62, Gründungsmitglied und Sänger von White Lion; Maggie Reilly, 66, Sängerin von und mit Mike Oldfield (der allerdings nicht dabei ist); Dee Snider, 68, Sänger von Twisted Sister; Bernie Shaw, 66, und Mick Box, 75, Sänger und Gitarrist von Uriah Heep, gegründet vor 50 Jahren.

Seit 30 Jahren ist das Konzept Rockmusik gemischt mit Klassikorchester auf Tour, es funktioniert wie eh und je. Was allein schon daran liegt, dass die zweieinhalbstündige Show ein astreines Zugabenkonzert ist: Alle geben alles und mit der Rockband des musikalischen Leiters Mat Sinner und dem Orchester (Dirigent Mario Gebert) ausschließlich ihre bekanntesten Hits zum Besten. Die sie beim normalen Einzelkonzert erst als Zugabe spielen würden. Wenn sie es körperlich überhaupt noch so weit schaffen. Anderes Thema.

An diesem Abend ist alles „The greatest Rock Hits“, wie der Titel der Tour von „Rock meets Classic 2023“ lautet. Ohne große Worte hier ein Auszug aus der Songliste: „Long live Rock’n’Roll“ von Rainbow, „Moonlight Shadow“ und „To France“ (Maggie Reilly), „We’re not gonna take it“ (Twisted Sister), das „Radar Love“-Cover von White Lion und „When the Children cry“, außerdem „Easy Livin’“ und „Lady in Black“ (Uriah Heep) sowie ganz am Schluss die Zugaben-Zugabe „The Final Countdown“ (Europe). Da ist aus dem Sitzkonzert (bestuhlte Arena) schon längst ein Stehkonzert geworden. Ist ja auch kein Senioren-Sitztanz hier!

Spätestens ab Mitte der Show, als Mick Box und Bernie Shaw von Uriah Heep mit großer Lust und Laune vier Lieder rocken, steht das Ü50-Publikum, singt lauthals mit und staunt über die Energie und Stimmkraft der Alten auf der Bühne. Einzig bei Dee Snider spielt hier und da die Sorge mit, dass er sein wildes Gehüpfe nicht bis zum Schluss durchhält – während der Songs verschwindet er immer wieder, um sich einen schnellen Schluck aus der Pulle zu holen, und nach seinen vier Nummern (inklusive „Highway to Hell“ von AC/DC) schnauft er wie eine Dampflokomotive, die nach langer Fahrt den Zielbahnhof erreicht hat. An dem steht groß geschrieben: „Long live Rock’n’Roll!“

Artikel 2 von 11