Das ganze Theater veranstaltete König Ludwig II. (1845-1886) nur für sich. Die Bühnenbilder, die er mit beweglichen Dekorationen, Lichtillusionen und Brunnen aufwendig zum Leben erweckte; die Skripte, die er penibel auf historische Richtigkeit überprüfte, umschrieb und anpasste; die Schauspieler, die er für die Besetzung teils selbst auswählte. Alles musste perfekt sein für die idealisierte Theaterwelt, in die sich der bayerische Märchenkönig regelmäßig flüchtete. Und die ihm allein vorbehalten war.
In der Kabinettausstellung In meiner Vorstellung. Die Welt der exklusiven Aufführungen von König Ludwig II. gibt das Deutsche Theatermuseum in München einen Blick in die sogenannten Separatvorstellungen des Monarchen. Er schuf sich mit ihnen eine exklusive Theaterwelt, um ungestört zuschauen zu können – ohne selbst Schauobjekt zu sein. Es ist ein riesiges Themenfeld, das Kuratorin Susanne de Ponte und ihr Team aufgetan haben. Fast zu groß, als dass die schmalen Räume im Erdgeschoss des Museums dafür ausreichten.
Während sich in Ludwigs Welt alles um ihn drehte, drehen sich um die Besucher der Ausstellung als Erstes runde Scheiben: Pappaufhänger, die an dünnen Fäden von der Decke hängen. In verspielter Leichtigkeit sollen sie die über 200 Theater-, Opern- und Ballettvorstellungen veranschaulichen, die sich der bayerische König zwischen 1872 und 1885 im Residenz- und Nationaltheater in München inszenieren ließ. Auf jeder Scheibe stehen Titel und Aufführungsjahr des Stücks geschrieben. Je häufiger es auf der Bühne landete, desto mehr Scheiben sind untereinander aufgefädelt. Die längste Schnur ist die von Albert Emil Brachvogels Drama Narziss: Ludwig II. ließ sich sein Lieblingsstück insgesamt zwölf Mal aufführen.
Von dem ersten, dunkelblauen Raum aus gelangt man in eine Art Mini-Spiegelsaal. König Ludwig II. war großer Verehrer des französischen Adelsgeschlechts der Bourbonen – und des absolutistischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., Schöpfer des Spiegelsaals auf Schloss Versailles. Für Schloss Herrenchiemsee hat sich Ludwig II. bekanntlich eine Kopie davon bauen lassen. Aber auch bei seinen Produktionen, von denen sich allein 35 auf Frankreich bezogen, durfte ein Spiegelsaal als Ausdruck von Prunk und Macht nicht fehlen.
Wie das damals ausgesehen haben muss, verrät der Bühnenbildentwurf, den Angelo II. Quaglio für Ludwigs Lieblingsstück Narziss baute. In dem Modell zur Kulisse von 1885 stecken zwischen den filigran bemalten Bühnenbildern kleine Spiegel, die den Bühnenraum rechts und links zu erweitern scheinen.
Die Qualität der Kulissen, erklärt de Ponte, sei für die Inszenierungen Ludwigs II. stets sehr hoch gewesen – genau wie die der Bühnentechnik, die auf dem modernsten Stand der Dinge war. Mit elektrischem Licht, fließendem Wasser und fahrbaren Bühnenelementen ließ er alles auffahren, was damals im Bereich des Machbaren lag.
Trotz der geringen Ausstellungsfläche macht die Schau also gut deutlich, wie hoch die Ansprüche waren, die Ludwig II. an seine Separatvorstellungen hatte. Dass die Exponate so verdichtet gezeigt werden, verstärkt für Kuratorin Susanne de Ponte den „Schatzkammer-Effekt“, den sie mit einem Brühwürfel vergleicht: die volle Intensität, aufs Wesentliche gebracht.
Wer noch tiefer in die theatralische Welt des Königs eintauchen will, der kann seinen Besuch im benachbarten Residenzmuseum fortführen: Hier, wo der Monarch verweilte, lebte und in seine eigenen Welten flüchtete, gibt es weitere Aspekte der Ausstellung zu entdecken.
Bis 30. Juli
Di.-So. 11-17 Uhr,
Galeriestraße 4a; www.deutschestheatermuseum.de.