Funkenflüge

von Redaktion

Joseph Bastian dirigierte die Münchner Symphoniker

Das war ein Start! Mit dem künftigen Chef und einem Programm, wie man es in München nicht alle Tage hört. Joseph Bastian, früher Bassposaunist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Foto: Andrej Grilc), übernimmt ab Herbst die Münchner Symphoniker. Nachdem er die Musikerinnen und Musiker als Einspringer kennengelernt hatte, entschieden sie sich für ihn.

Dass der Funke überspringt, wenn dieses Orchester und Bastian aufeinandertreffen, erlebte man am Mittwoch im dicht besetzten Prinzregententheater. Da gab es zunächst jazzige Töne des in Prag geborenen Erwin Schulhoff und des am Moskauer Konservatorium als Pianist ausgebildeten Nikolai Kapustin. In feiner Kammerbesetzung ließen sich die Symphoniker auf Schulhoffs Tänze ein: Ob Klarinette und Violine zum Tango luden, im Shimmy Hupe und Sirene loslegten oder die Trommeln den Step wagten: Bastian lotste das freudig agierende Ensemble sicher durch alle rhythmischen Wechsel und war auch im folgenden Klavierkonzert ein wacher Begleiter. Frank Dupree, der mit allen Jazz-Wassern gewaschene junge Pianist, nutzte in Kapustins einsätzigem Werk jede Gelegenheit, sein fulminantes Können zu präsentieren: in rasanten Läufen, Akkord-Kaskaden, aber auch in gefühlvollen Legato-Momenten und der Kadenz. Ein Feuerwerker, von Meinhard „Obi“ Jenna am Drumset unterstützt.

Mit Aaron Copland wandten sich die Münchner Symphoniker Amerika zu. In Letter from Home erinnert der Komponist an einen US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg, der einen Brief von zu Hause bekommt. Mit gefühlvollem Holz, seidigem Streicherklang, aber auch Trompete und Schlagzeug beschworen Orchester und Dirigent die besondere Stimmung dieses Augenblicks. Als heiteren Abschluss des ungewöhnlichen Konzertes gab es Entsprechendes von Schostakowitsch. In seiner Neunten durfte das Holz sich noch einmal in Szene setzen. Dabei schälte Joseph Bastian den Witz und die fast kirmesartigen Klänge samt rasanter Schluss-Steigerung gekonnt heraus. Große Freude im Publikum. GABRIELE LUSTER

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