Vorhang auf für den Theater-Nachwuchs. Beim „Radikal jung“-Festival bekommen ab heute junge Regisseurinnen und Regisseure wieder die Chance, ihre frisch gedachten Inszenierungen ans Münchner Volkstheater zu bringen. Um das Publikum zu berühren, zu begeistern, zu verwundern. Die 13 Produktionen werden bis zum 5. Mai gezeigt, den Auftakt machen heute die drei Stücke „Zwiegespräch“ (19 Uhr, Bühne 1), „Radical Hope – Eye to Eye“ (19.30 Uhr, Bühne 2) und „Sistas“ (20 Uhr, Bühne 3).
Für das diesjährige „Radikal jung“-Festival wurden auch Werke hervorgekramt, die alles andere als radikal und jung zu sein scheinen. Klassiker wie Homers „Odyssee“ zum Beispiel. Der ukrainische Regisseur Pavlo Arie vom Düsseldorfer Schauspielhaus nimmt den antiken Stoff und transportiert ihn ins Heute: Wie Festivalleiter Jens Hillje im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt, zieht der Regisseur in seiner Inszenierung Parallelen zum Angriffskrieg gegen die Ukraine. Arie greift dabei die Situation der Penelope auf, die in Homers Epos zehn Jahre auf das Ende des Krieges wartet. Mit ukrainischen Schauspielerinnen, die seit ihrer Flucht in Deutschland ausharren, zieht der Regisseur Homers Penelope-Figur in die Gegenwart.
Dass alte Texte in moderner Form auf der Bühne landen, ist bei „Radikal jung“ heuer häufiger zu sehen. Nicht zuletzt, weil das auch einen aktuellen Trend in der Regiewelt widerspiegelt. „Die Auseinandersetzung mit klassischen Stücken hat in den vergangenen zwölf Monaten zugenommen“, sagt Hillje, der zusammen mit Christine Wahl, C. Bernd Sucher und Florian Fischer die diesjährigen Festival-Kandidaten kuratiert hat. Neben „Odyssee“ nennt Hillje Georg Büchners „Woyzeck“ als Beispiel, den Jan Friedrich vom Theater Magdeburg nun auf die Volkstheater-Bühne bringt. Laut Hillje zeigt der Regisseur eine „sehr spannende“ Auseinandersetzung mit der Frage: „Wie lässt sich heute aus der Armut in andere Gesellschaftsschichten ausbrechen?“ Die Produktion folge dabei der Ästhetik von Computerspielen, mit ständigen Wiederholungen, „Try and Error“, verrät der Festivalleiter. „Das hat schon etwas Tänzerisches.“ Jenseits der Theater-Klassiker ist derweil die Inszenierung „Gondelgeschichten“ zu verorten, mit der das Tiroler Landestheater den Ischgl-Skandal zu Beginn der Corona-Pandemie auf die Bühne bringt. „Das wird sehr unterhaltsam, politisch, aufrüttelnd aufgearbeitet“, verspricht Hillje. Regie führt das Institut für Medien, Politik und Theater.
Insgesamt freut sich das Festival-Team auf lebendige und gut besuchte Spieltage – und im Moment sieht es so aus, als stünde dem nichts im Weg. „Der Karten-Vorverkauf läuft unerwartet gut“, verrät Hillje. „Die Hemmungen aus der Corona-Zeit scheinen verschwunden zu sein.“
Weitere Informationen
und Karten unter muenchner-volkstheater.de oder telefonisch unter 089/523 46 55.