Wer ist hier ein Trottel?

von Redaktion

PREMIERE Tom Gerhardt begeistert im „Dinner für Spinner“ in der Münchner Komödie

VON KATRIN BASARAN

Wenn Wortkonstruktionen wie „Brunft-Höhle“, „Hans Schwanz in allen Gassen“ oder „Nympho-Nymphe“ fallen, können sich dem sensibilisierten Zuschauer schon mal die Nackenhaare aufstellen. Altherrenwitze und Stammtischpalaver scheinen nicht weit. Und ja, gelegentlich würde man zu gern mit den Augen rollen – und doch ist „Dinner für Spinner“ ein Grund, mal wieder in die Komödie im Bayerischen Hof in München zu gehen: selten so gelacht! Im Haus am Promenadeplatz feierte dieses Stück aus dem Jahr 1998 am Donnerstag umjubelte Premiere.

Die Geschichte stammt vom Franzosen Francis Veber, der etwa auch das Drehbuch zu „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ ersann: Peter steht in der Mitte des Lebens, ist Zyniker und von Beruf Verleger. Er findet sich wahnsinnig toll und veranstaltet mit Gleichgesinnten regelmäßig ein „Dinner für Spinner“, zu dem sie sich einen ahnungslosen Freak, einen Sonderling, einladen, über den sie sich dann lustig machen. Diesmal soll Matthias Bommes die Runde amüsieren, ein trotteliger Finanzbeam-ter mit Leidenschaft für den Modellbau aus Streichhölzern. Da ereilt Peter ein Hexenschuss. Wenig später steht Bommes vor der Tür, der sich ungeschickt, doch stets in bester Absicht um seinen neuen Kumpel kümmert. So sehr, dass Peters Leben bald in Trümmern liegt: Die Frau ist weg, die Geliebte auch, ein stinksaurer Steuerfahnder sitzt im Sessel – und das Kreuz tut immer noch weh. Wer ist hier nun der wahre Trottel?

Dass dieses Stück in der Regie von Intendant René Heinersdorff gelingt, ist dem eingespielten Ensemble zu verdanken, das in dieser Besetzung schon seit Jahren auf der Bühne steht. Moritz Lindbergh sei hier stellvertretend als mieser Peter erwähnt. Und natürlich Tom Gerhardt als gutmeinendes Unikum Bommes, dessen Name sich (natürlich!) auf „Pommes“ reimt. „Voll normaaal!“ scheint oft nicht weit. Ohnehin schrammt an diesem Abend vieles haarscharf an der Schmerzgrenze vorbei. Dass es sich hier um eine Produktion des Theaters am Dom in Köln handelt, ebenfalls geführt von Heinersdorff, ist gelegentlich am Zungenschlag der Schauspieler hörbar – und lässt manche Zote als treffsichere Pointe wirken. Man weiß es ja, in Köln sind sie alle jeck und nehmen vieles nicht bierernst. Leicht bemüht da der Versuch, Lokalkolorit zu vermitteln, in dem man die „21-jährige Lolita“ in Landsberg am Lech beheimatet oder Bommes aus Streichhölzern die Autobahnauffahrt nach Feldmoching basteln lässt.

Hat man sich also an die Gratwanderung gewöhnt, gibt sich ihr hin, wird’s gnadenlos lustig. So viele Missverständnisse und Absurditäten derart konsequent und temporeich in die Höhe geschraubt – ein irrer Spaß über gute Geister, die man einfach nicht mehr los wird.

Weitere Vorstellungen

bis 25. Juni; Telefon 089/29 28 10.

Mieser Zyniker

lädt ahnungslosen

Sonderling ein

In Köln nimmt man vieles nicht so bierernst

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