Die Kaiserin von China ist nach einem Staatsstreich in Gefangenschaft. Ihre Tochter Prinzessin Wun Da (Julie Chen) flüchtet mit ihrer Leibwächterin Han-She Li (Leanna Chea) ins ferne Gallien. Dort sind die wackeren Haudegen Asterix und Obelix natürlich sofort zur Stelle, um den Frauen zu helfen. Zeitgleich bricht Julius Cäsar (Vincent Cassel) ins Reich der Mitte auf, um mit seiner Eroberung Chinas bei der Ägypterin Kleopatra (Marion Cotillard) Eindruck schinden zu können.
Generationen sind seit den Sechzigerjahren mit den in ihrem bewussten Anachronismus immer wieder aufs Neue originellen Comics von René Goscinny und Albert Uderzo über Asterix und Obelix aufgewachsen. Bereits seit den späten Sechzigern gab es Bearbeitungen für Leinwand oder Bildschirm. Es scheint eine goldene Regel zu sein, dass Frankreich alle paar Jahre eine Neuverfilmung der gallischen Abenteuer benötigt – mal als klassischer Zeichentrick, dann als computeranimierte Produktion und dazwischen gerne als Realverfilmung.
In der jüngsten Adaption mit Schauspielern wackelte Gérard Depardieu als Obelix hinter Hündchen Idefix her, und Alain Delon spielte den ewigen Antipoden Cäsar. Worauf man sich anschließend erst einmal wieder auf die Animation verlegte, bis es jetzt Schauspieler und Regisseur Guillaume Canet wagte, das Nationalepos zu reanimieren. Das gelingt ihm tatsächlich recht ordentlich.
In gewohnter Art greifen die Drehbuchautoren Julien Hervé, Philippe Mechelen und Canet Themen der Gegenwart auf, um sie ins Gallien im Jahr 50 v. Chr. umzutopfen. Das geht beim Weniger-Wildschwein-Essen los, streift Impfgegner sowie Feminismus und bietet Erwachsenen jede Menge Anspielungen auf Politik oder Zeitgeist – so wollen etwa die Tänzerinnen im Bordell über die Länge der Röcke verhandeln und über den grassierenden Sexismus diskutieren.
Vincent Cassel, sonst eher auf düstere Charaktere abonniert, zeigt sich als verknallter Cäsar von einer ungewohnt humorigen Seite. Die Rolle des Asterix meistert Canet, der ja auch für Regie und Buch verantwortlich ist, ganz solide. Er verzichtet zum Glück auf das heftige Grimassieren seines Vorgängers Christian Clavier, der wie auch Depardieu als Obelix im Spielfilm von 2012 um mindestens zwei Jahrzehnte zu alt war für den Part. Obelix-Neuling Gilles Lellouche bringt dagegen neben der nötigen Leibesfülle auch ein angemessenes Alter mit. Schließlich muss man diesmal den zwei Helden noch die Minne abnehmen, in die sie angesichts der jungen Chinesinnen ausbrechen. Dies auf äußerst familienfreundlichem Niveau, versteht sich.
Im Gegensatz zu den bisherigen Realverfilmungen basiert „Asterix und Obelix im Reich der Mitte“ nicht auf einem Comic. Die Freiheit des Originaldrehbuchs bietet Canet die Möglichkeit, viel mehr aktuelle Bezüge rund um die Großmacht China einzubauen. Einen besonderen Coup gibt es beispielsweise für alle Fußballfans: Der schwedische Star Zlatan Ibrahimovic mimt den römischen Schlachten-Trainer, der mit einpeitschenden Parolen im Rhythmus von „We will rock you“ die Legionen anfeuert.
Allein anhand der Musik lässt sich erkennen, dass der Regisseur seine prägenden Jugendjahre in den Achtzigern verbracht hat: Beim Liebeswerben erklingt verlässlich Lionel Richies „Say you, say me“ und auch „The Time of my Life“ aus „Dirty Dancing“ mit der notwendigen Tanzeinlage fehlt nicht.