Knobloch protestiert gegen Roger Waters

von Redaktion

Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde nennt Musiker „antisemitischen Brandstifter“

VON SOPHIA BELLIVEAU

An der Protestkundgebung des Bündnisses „München ist bunt“ kam gestern Abend kein Besucher des umstrittenen Roger-Waters-Konzerts vorbei. Bereits der Weg zur Olympiahalle war von israelischen und ukrainischen Flaggen gesäumt. Neben dem Haupteingang standen bereits anderthalb Stunden vor Veranstaltungsbeginn etwa 100 Demonstranten, die Schilder in die Höhe hielten, auf denen „Keine Bühne für Antisemitismus, keine Bühne für Putin-Propaganda“ stand. „Unser Ziel ist es, Flagge zu zeigen – im wahrsten Sinne des Wortes“, erklärte Micky Wenngatz, SPD-Stadträtin und Mitorganisatorin des Protests.

Obwohl der Pink-Floyd-Mitbegründer bereits seit Jahren aufgrund seiner antisemitischen Aussagen in der Kritik stehe, seien seine Fans selbstverständlich nicht alle Antisemiten. „Viele wissen es einfach nicht. Deshalb wollen wir über das Thema aufklären und die Menschen sensibilisieren“, so Wenngatz.

Dem pflichtete Sabine Kirstein von der Israelitischen Kultusgemeinde München bei: „Wenn einige heute Abend hier rausgehen und sich weiter informieren, haben wir schon viel getan.“ Für sie gebe es keinen seriösen Grund, nicht gegen die Boshaftigkeiten und Unwahrheiten einzutreten, die Roger Waters verbreitet.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, fand in ihrer Rede auf der Kundgebung deutliche Worte für Waters und dessen Konzert. „Antisemitismus hat ganz offensichtlich einen Platz in diesem Land. Dieser Platz ist heute die Olympiahalle“, rief sie der Menge zu. Dafür erntete sie von den Demonstranten Applaus, von den Konzertbesuchern kamen jedoch Buhrufe. „Ich finde überhaupt keine Worte, dass so etwas in unserer schönen Heimat stattfindet“, kommentierte Knobloch die Veranstaltung. Deshalb forderte sie, Gesetze zu ändern, damit sich nicht „demokratisches Recht gegen demokratische Werte in Stellung bringen“ lasse.

Unter den Teilnehmern der Kundgebung waren auch Ukrainer sowie Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Yaroslav Mrzenov stammt ursprünglich aus dem ukrainischen Charkiw und ist im Oktober 2022 nach München geflohen. Ihm als Jude und Ukrainer sei es sehr wichtig, der Propaganda von Roger Waters entgegenzutreten. „Wir wollen das nicht akzeptieren und den Lügen mit Wahrheit entgegentreten“, so der junge Mann. Er war zusammen mit Tamara Okhrimenko auf der Kundgebung. Okhrimenko stammt ebenfalls aus der Ukraine, lebt aber seit 1993 in München. „Wir haben es 2015 in der Ukraine gesehen, wir haben es während der Corona-Pandemie gesehen und wir sehen es heute noch immer – diese Lügen und diese Propaganda töten“, erklärte sie. Waters behauptete zum Beispiel, dass Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem Krieg gegen die Ukraine den Faschismus in dem Land bekämpfen wolle – Hauptaggressor seien die USA. Zudem ließ Waters bei Konzerten Ballons in Schweineform mit einem Davidstern aufsteigen. Ihm wird seine Nähe zur BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) vorgeworfen, die zum Boykott des Staates Israel und seiner Güter aufruft.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nahm nicht an der Protestkundgebung teil, er kritisierte jedoch ebenfalls das Waters-Konzert. „Ich will ihn hier nicht haben, aber wir müssen es jetzt ertragen“, erklärte er. Im Vorfeld hatte der Stadtrat „keine rechtssichere Möglichkeit“ gesehen, die Veranstaltung zu verbieten.

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