Schärfere Regeln für Rammstein-Show

von Redaktion

Stadt gegen Row Zero und Aftershow-Party

VON KATRIN BASARAN UND SASCHA KAROWSKI

Bis vor wenigen Tagen hatte so mancher noch nie von einer „Row Zero“ gehört. Für diesen besonderen Bereich unmittelbar vor der Bühne von Stadionkonzerten kann man keine Tickets kaufen. Hier versammeln sich – so weiß man heute – insbesondere bei Rammstein-Konzerten handverlesene Fans: weiblich natürlich, besonders begeistert und besonders jung, ausgewählt nach einem bestimmten Casting-System und wohl zum Zwecke, mit der umstrittenen Metal-Band nach einem Konzert ausgiebig zu feiern – und angeblich Frontmann Till Lindemann bei Bedarf auch anderweitig und höchst körperlich zu beglücken. So die erschreckenden Vorwürfe, die zunehmend von mutmaßlichen Opfern öffentlich vorgetragen werden (wir berichteten).

Sie implizieren mindestens Machtmissbrauch, sexuelle Nötigung, womöglich auch Alkohol- und Drogenmissbrauch. Allerdings ist bislang von Ermittlungen gegen die Band und speziell gegen Lindemann nichts bekannt. Dennoch scheint der Druck so groß, dass die sonst sehr zurückhaltenden Musiker sich auf Instagram zu einem Statement veranlasst sahen, in dem sie darauf hinwiesen, man habe das Recht, „nicht vorverurteilt zu werden“.

Doch zurück zur Row Zero, von der mancher wohl weiterhin lieber nie gehört hätte: Da morgen in München das erste von vier ausverkauften Rammstein-Konzerten startet, reichte am Montag federführend die Stadtrats-Fraktion von Grüne/Rosa Liste einen Antrag ein, explizit diese Fanzone zu verbieten. Die Linke und die ÖDP schlossen sich dem Begehren an, während sich CSU und Freie Wähler zurückhielten. Ja, man nehme die Vorwürfe gegen Rammstein ernst. Aber „kurzfristig neue bürokratische und finanzielle Hürden für Konzertveranstalter aufzubauen, halten wir für nicht zielführend“, so Fraktionsvize Evelyne Menges. Die SPD-Fraktionschefin Anne Hübner teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Sexuelle Übergriffe und Gewalt gegen Frauen sind schwerwiegende Verbrechen, die in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fallen.“ Der Münchner Stadtrat habe hier keine Zuständigkeit. Nun zu suggerieren, Konzerte im Olympiapark seien nicht mehr sicher oder dass ein eilig eingereichter Antrag zusätzliche Sicherheit gewährleiste, „halten wir für Aktionismus und Augenwischerei“.

In dem Papier geht es freilich nicht allein um die Rammstein-Shows, sondern um „sichere Konzerte für alle“. Es solle geprüft werden, ob man „Safe Spaces“ einrichten könne. Also sichere Orte für Frauen, die sich bedrängt oder in Not fühlen. Zudem schlägt man den verpflichtenden Einsatz sogenannter Awareness-Teams vor. Dabei handelt es sich um speziell geschulte Kräfte, die auf Veranstaltungen Hilfe anbieten, sollte sich jemand diskriminiert oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt fühlen. Mona Fuchs von den Grünen betonte im Schreiben, es gehe auch darum, die Gesellschaft für Themen wie sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren und präventiv Strukturen zu schaffen, die Übergriffe verhindern. Katrin Habenschaden, Münchens Zweite Bürgermeisterin, unterstützt ihre Parteikollegin: „Großveranstaltungen und Konzerte müssen für alle Menschen sicher sein.“

Gestern Nachmittag fiel nun die Entscheidung: Die Row Zero ist gestrichen, das Kreisverwaltungsreferat verbietet den Aufenthalt von Fans im Bühnengraben. Die Konzerte würden „engmaschig“ unter anderem von Polizei und Branddirektion begleitet, betonte KVR-Referentin Hanna Sammüller-Gradl. Derweil sollen auch die Aftershow-Partys Geschichte sein, bestätigte die Olympiapark GmbH im Gespräch mit unserer Zeitung. Vom Veranstalter Propeller Concerts lag bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Stellungnahme vor.

Insgesamt 240 000 Besucher werden an den vier Tagen 7., 8., 10. und 11. Juni im Olympiastadion erwartet, um Rammstein zu erleben.

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