Muss ich moralische Bedenken haben, wenn ich zu Rammstein gehe? Die Einsichten ins Groupie-System der Metal-Band sind unbestritten heftig. Junge Frauen werden für Partys mit den Rammstein-Musikern und speziell Frontmann Till Lindemann rekrutiert. Sie bekommen Anweisungen, was sie anzuziehen haben, wie sie sich verhalten sollen. Der Freund muss draußen bleiben, das Smartphone auch. Rote Flaggen überall! Alles deutet darauf hin: Hier wird kein Kindergeburtstag gefeiert. Es klingt widerlich, was dann gelaufen sein soll. Und klar: Nein heißt nein! Sollte Lindemann diese Grenze überschritten haben, womöglich unter Einsatz von Betäubungsmitteln, muss er bestraft werden!
Aber Fakt ist: In keinem Fall wird bislang ermittelt. Obwohl täglich neue schlimme Geschichten im Netz erzählt werden, immer neue junge Fans den Mut finden, über ihre Erlebnisse zu berichten. Und alle diese Vorwürfe würden nur zu gut passen zum Image dieses Kerls samt irrem Blick, grober Statur, teutonisch gerolltem „Rrrr“, mit seinen eindeutig zweideutigen Texten, der Peniskanone, die er während der Shows reitet – ein Sexteufel, schmutzig, dreckig, irgendwie pervers. Mancher Text, den man bislang vielleicht als Ironie, als deftige Spielerei deutete, erzeugt mit dem Gehörten nun Ekel.
Nein, man muss Lindemann nicht mögen. Andererseits gerät niemand zufällig auf seine Konzerte. Was können wir für unsere Töchter, Schwestern, Freundinnen tun? Aufklären, sie zu selbstbewussten Frauen erziehen, ihnen ein aufmerksames Umfeld wünschen. Selbstbestimmung heißt das Zauberwort. Und das gilt auch in Sachen Konzertbesuch.
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