Kaiserliches Kino

von Redaktion

Im Münchner Prinzregententheater wurde am Freitagabend der Bayerische Filmpreis verliehen

VON KATJA KRAFT

Damit hier ja nicht der Eindruck entsteht, dass diese Veranstaltung zur Wahlkampfbühne für Politiker geraten könnte, gleich zu Beginn ein Hieb gegen Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Im Einspieler vor Start der Verleihung des Bayerischen Filmpreises am Freitagabend im Münchner Prinzregententheater probt Preisträger Michael Bully Herbig seine Dankesrede mit Moderator Christoph Süß. Herbig: „Mit welcher Hand wird mir der Ministerpräsident wohl die Trophäe überreichen?“, darauf Süß: „Tendenziell eher rechts.“ Großes Amüsement bei den Gästen im Saal. Und damit Vorhang auf für die 44. Verleihung des Bayerischen Filmpreises.

Nein, dass die anwesenden Gäste aus der Politik geschont würden an diesem Abend, kann man nicht behaupten. Klare Haltung kennt man von Schauspieler Jonas Dassler. Als die Brüder Alex und Dimitrij Schaad für ihren Film „Aus meiner Haut“ mit dem Nachwuchs-Drehbuchpreis ausgezeichnet werden, überrascht ihr Hauptdarsteller Dassler sie mit der Laudatio. Und dankt ihnen mit Verve: „Wo mit Angst Politik gemacht wird, wo Leute bei Kinderlesungen Angst haben müssen, wo sozialer Ungehorsam mit Terrorismus verwechselt wird, da macht ihr beide einen Film über Liebe, Empathie und Veränderung.“ Auch Dimitrij Schaad wird deutlich: „Es ist ein steiniger Weg in einer Branche, die sich Nachwuchsförderung und die Suche nach neuen Stoffen auf die Fahne schreibt, in Wahrheit aber immer wieder dasselbe aufkocht, durchgeführt von ohnehin etablierten Filmemachern.“ Explizit bedankt er sich deshalb bei denen, die in „dieser egozerfressenen Branche“ an sie geglaubt haben. Alex ergänzt mit freundlichen Grüßen an den CSU-Mann in der ersten Reihe: „Für diesen Film einen Preis zu bekommen in einem Bundesland, wo der Ministerpräsident zu beeindruckenden 178 Prozent aus Testosteron besteht, ist nicht selbstverständlich. Danke.“

Erfrischend auch Frauke Finsterwalder, geehrt für die beste Regie („Sisi & Ich“). „Neulich war ich auf einer Preisverleihung, auf der lauter Männer ausgezeichnet wurden, die sich bei ihren Frauen bedankten.“ Deswegen nutzt sie die Gelegenheit, ihrem Mann zu danken: „Dass du mich unterstützt gegen die doch manchmal immer noch herrschende Front von Männern, gegen die man kämpfen muss.“

Die größte Überraschung gelingt einem in der Branche völlig Unbekannten. Plötzlich steht der einstige Spanischlehrer von Florian David Fitz auf der Bühne, um seinem Ex-Schüler die Auszeichnung „Bester Darsteller“ zu überreichen. Fitz freut’s aufrichtig, dass „der beste Spanischlehrer ever“ aus Barcelona gekommen ist. Zauberhaft auch Anna Maria Mühe, die mit der Nachricht, dass sie den Preis für die beste Darstellerin erhalten wird, vorab ebenfalls überrascht worden war. „Waas? Waaas? Waaas? Ich hab noch nie in Bayern was gewonnen!“ In ihrer Dankesrede schickt sie einen Gruß an ihren 2007 verstorbenen Vater, Schauspieler Ulrich Mühe: „Papa, ich hab jetzt auch einen!“ Sehr viel Liebe in der Luft an diesem Abend.

Auch für Michael Bully Herbig. Dass der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, mit 55, kommentiert Schauspieler Jonas Nay treffend: „Den Bully kann man gar nicht früh genug abfeiern.“ Der Geehrte selbst sieht den Preis „als Zwischenzeugnis“. Dankt seiner Mutter. Und tut dann, was sich nur ein Bully traut: Gerichtet an seine Mama daheim: „Schau mal, Mama, das ist der Ministerpräsident und der winkt dir jetzt zu.“ Söder tut’s mit gequältem Lächeln. Bully: „Das war kein ehrliches Lachen. Nochmal!“ Applaus für den König der Comedy.

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