ARD-Musikwettbewerb bangt um seine Zukunft

von Redaktion

Senderverbund kürzt Beitrag um 50 Prozent, Instrumenten-Sparten müssen gestrichen werden

VON TOBIAS HELL

So traurig es klingt, aber verwundern dürfte es nur die wenigsten, wenn im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen beim Rundfunk mal wieder die Kultur mit als Erstes auf der Abschussliste steht. Schon während der Pandemie wurde ja die mangelnde Systemrelevanz von oberster Stelle bestätigt. Neben der in den vergangenen Wochen heftig kritisierten „Verschlankung“ des Radio-Kulturangebots trifft es nun mit dem ARD-Musikwettbewerb auch ein Prestige-Objekt mit internationaler Ausstrahlung. Die bisherige Beteiligung der ARD-Gemeinschaft in Höhe von 740 000 Euro am Gesamtetat von einer Million wird 2025 um die Hälfte auf dann 370 000 Euro reduziert,

Bei der Vorstellung zur 72. Auflage bemüht man sich dennoch um eine positive Grundstimmung, wenn der BR-Pressesprecher Markus Huber betont: „Bis 2025 ist gesichert und 2026 noch nicht abgesagt.“ Trotzdem kündigen sich große Veränderungen an. Während zwischen dem 28. August und 15. September noch Nachwuchstalente in den vier Disziplinen Harfe, Kontrabass, Klaviertrio und Viola gegeneinander antreten, wird dies künftig nur noch in jeweils drei Disziplinen der Fall sein. Was für den Wettbewerb die Konsequenz hat, dass man sich angesichts der regelmäßig wechselnden Kategorien langfristig von gewissen Instrumenten verabschieden muss.

Für Meret Forster (Foto: Philipp Kimmelzwinger), die seit 2016 zur künstlerischen Doppelspitze gehört, ist dies eine rein mathematische Notwendigkeit, um die Abstände bei wiederkehrenden Sparten nicht zu groß werden zu lassen und so bei „Nischen-Instrumenten“ einzelne Jahrgänge womöglich komplett zu verlieren. „Wir werden im Herbst die Fächer für 2025 festlegen und uns noch genau ansehen müssen, in welchem Turnus es weitergeht. Es wird so sein, dass wir wahrscheinlich drei Instrumente prinzipiell ausschließen müssen. Aber wenn, dann werden das Fächer sein, die das Profil des Wettbewerbs nicht beschädigen.“

Konkret bangen hier Bläserquintett, Orgel und Gitarre ums Überleben. Wichtig scheint allen Beteiligten dass die Traditionsveranstaltung überhaupt weiterläuft und trotz schwindender Kultur-Sendeplätze ausreichend wahrgenommen wird. Stefan Frucht (Foto: Siemens), Leiter des kooperierenden und mit 100 000 Euro beteiligten Siemens Arts Program, bringt es kurz und knackig auf den Punkt, wenn er feststellt, „dass die ARD weltweit vielleicht weniger durch die ‚Rundschau‘ berühmt ist. Aber der ARD-Wettbewerb, den kennt man in der klassischen Musikszene überall.“ Dies spiegelt sich 2023 nicht allein in den 345 Bewerbungen aus 41 Ländern und fünf Kontinenten. Stolz verweist Elisabeth Kozik aus dem Organisationsteam des Wettbewerbs darauf, dass von Seiten der Veranstalter bereits so viele Anfragen eingegangen seien, dass die Preisträgerinnen und Preisträger im kommenden Jahr gleich zwei Tourneen absolvieren. Ein weiteres Argument für die künstlerische Nachhaltigkeit.

Die Gesamtkosten, die sich 2023 auf rund eine Million Euro belaufen, wirken angesichts des dreistelligen Millionenbetrags für die nicht unumstrittene Fußball-WM in Qatar übersichtlich. Ebenso wie die gerade einmal zwei Prozent des Rundfunkbeitrags, die den als Bauernopfer ebenso gern in Spiel gebrachten Klangkörpern der ARD-Anstalten zufließen. Der BR will nun seinen Beitrag erhöhen, um den Rückgang in der ARD zumindest teilweise aufzufangen. Zudem will man mehr auf Sponsoren zugehen.

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