Eine halb verhungerte Frau flieht in höchster Angst in die Wildnis. Vor Winter, Wald und Wild hat sie Furcht, der wirkliche Feind aber ist der Mensch, genauer: der Mann. Beim Lesen der ersten Sätze denkt man an den Märchentopos Wald. Allerdings kann Lauren Groff die Balance nicht halten zwischen „alter“ Sprache, die bei ihr (oder in der Übersetzung) schlecht gefälscht wirkt, und der Härte ihrer Schilderungen. Zum Glück schleift sich das Betuliche im Verlauf ab. Die Autorin hält spannend, straff und kompromisslos die Sinne offen für alle Brutalitäten. Während der Wanderung der Dienstmagd wird durch Erinnerungen und Visionen ihr Schicksal klar. Sie befindet sich in Nordamerika zu einer Zeit, als die Europäer die Einheimischen noch nicht fast ausgerottet hatten. Die Immigranten sind so schwach wie größenwahnsinnig. Das Mädchen hat deren Herzlosigkeit erlebt; der Neuen Welt steht das bevor. sida