Nach dem Eklat um israel-feindliche Äußerungen bei der Preisverleihung der Berlinale hat Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) Teilen der politischen Linken Judenhass vorgeworfen (Foto: Clemens Bilan/epa). „Es gibt bei Linksradikalen diesen ekelhaften offenen Antisemitismus“, sagte Roth in einem Interview mit „Spiegel Online“. Die Preisverleihung nannte sie „missglückt und zum Teil unerträglich“. Zuletzt hatte Roth wegen ihres Umgangs mit dem Vorfall in der Kritik gestanden. Den „Tiefpunkt“ der Preisverleihung nannte Roth den Auftritt des US-Filmemachers Ben Russell, der Israel Genozid an den Palästinensern vorgeworfen hatte. „Das hat, bei allem Mitgefühl für das Leid der Zivilisten, nun wirklich nichts mit der Situation im Gazastreifen zu tun“, sagte Roth. Sie sieht die Verantwortung für den Vorgang bei der Berlinale-Leitung. „Es hätte eine ganz andere und bessere Vorbereitung geben müssen, wie man mit entsprechenden Auftritten umgeht, das nicht stehen lässt und wer das von Seiten der Berlinale tut.“ Ihre eigene Passivität bei dem Vorfall verteidigte Roth. „Ich tue mich sehr schwer mit der Vorstellung, dass bei einem internationalen Filmfestival, einer Kulturveranstaltung, bei der die Berlinale die Gastgeberin ist, Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Land und damit des Staates intervenieren.“ Zur Weltkunstausstellung documenta 16 sagte die Ministerin, diese solle wie geplant 2027 in Kassel stattfinden. Sie sei zuversichtlich, dass es keiner Verschiebung bedürfe. Die zurückliegende documenta 15 war wegen antisemitischer Darstellungen und dem Umgang der Kuratoren damit stark kritisiert worden.
Tacita Dean (58) wird die zweite Preisträgerin des deutsch-britischen Freundship Award und folgt damit auf Fußballtrainer Jürgen Klopp. Die britische Künstlerin (Foto: Esteban Cobo/dpa) setze sich poetisch mit dem Sein, der Zeit und der Vergänglichkeit auseinander und bewege damit Menschen in ihrer Heimat Großbritannien ebenso wie in ihrer Wahlheimat Deutschland, sagte der Präsident der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG), Michael Schmidt. Die BCCG hatte den Freundship Award – ein Wortspiel aus dem deutschen „Freundschaft“ und dem englischen „friendship“ – gemeinsam mit der britischen Botschaft in Berlin ins Leben gerufen.