Gabriele ist engelsgleich, blond, zart, zierlich und hochmusikalisch. Und sie heißt ausgerechnet Klöterjahn nach dem steinreichen Gatten. Dem Schriftsteller Detlev Spinell graut vor dem – in seinen Augen – „entsetzlichen“ Nachnamen, gerade weil er sich für die fragile Frau interessiert. Thomas Mann hat seine Version der uralten Ehebruchgeschichte „Tristan“ (1901) zwischen gut situiertem Ehemann, brotlosem Künstler und anbetungswürdiger Schönheit als Vorstufe zu seinem „Zauberberg“ angelegt und ins Sanatorium verlegt. Was braucht’s den Liebestrank, wenn Wagners Klavierauszug bereitliegt? Gert Westphal liest die Novelle ungekürzt in knapp zwei Stunden – meisterhaft, großartig und genial. hilo