Oscars für Kinofaule

von Redaktion

So glänzen Sie auf jeder Award-Party, ohne die Filme gesehen zu haben

VON KATJA KRAFT

Ja, es gibt tatsächlich Filmverrückte, die von Sonntagabend bis Montagmorgen die Oscar-Verleihung im Fernsehen verfolgen. ProSieben startet ab 23.25 Uhr mit der Berichterstattung vom roten Teppich. Klar, dass auf keiner Oscar-Party das obligatorische Tipp-Spiel fehlen darf. Auf dieser Seite finden Sie dazu die nominierten Filme der wichtigsten Kategorien zum Ankreuzen. Sie haben nicht alle gesehen? Macht nichts. Wir haben Ihnen zusätzlich ein paar passende Sätze notiert, die Sie ins Partygespräch einstreuen können. Viel Spaß!

Bester fremdsprachiger Film: O Das Lehrerzimmer O Io capitano O Perfect Days O The Zone of Interest O Die Schneegesellschaft („Kein Wunder, dass der spanische Beitrag einer der erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Filme im Programm von Netflix ist! Gegen das, was die Überlebenden des Flugzeugabsturzes in den Anden 1972 erlebt haben, ist Süßigkeiten-Fasten ein winziges Osterei. 72 Tage gefangen in Eis und Schnee! Als sie dann anfangen, die Leichen derjenigen, die nicht überlebt haben, zu essen, wird das im Film ohne jeden Voyeurismus gezeigt. Gelungen.)

Bester Animationsfilm: O Robot Dreams O Nimona O Spider-Man: Across the Spider-Verse O Elemental O Der Junge und der Reiher („Für diesen Film ist der japanische Altmeister Hayao Miyazaki seinem Enkel zuliebe aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Ein Glück: Das ist ein Anime, der die grenzenlose Fabulierlust feiert. Tut nicht nur Kindern in Zeiten wie diesen gut.“)

Beste visuelle Effekte: O Guardians of the Galaxy Vol. 3 O Napoleon O The Creator O Godzilla Minus One O Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins („Das Filmteam wollte für eine Szene eine Brücke in Polen sprengen. Nach einem Riesenaufschrei sah man davon ab. Wäre ja noch schöner – wozu gibt’s heute schließlich am Computer hergestellte visuelle Effekte?“)

Bester Dokumentarfilm: O Bobi Wine: The People’s President O Olfas Töchter O To kill a Tiger O Die unendliche Erinnerung O 20 Tage in Mariupol („Hammerhart. Trotzdem sollte man sich diesen Dokumentarfilm von Journalisten, die in Mariupol ausgeharrt haben, anschauen. Gibt’s kostenlos in der ARD-Mediathek. Und zeigt, welch Herausforderung freie Berichterstattung aus Kriegsgebieten ist.“)

Bester Song: O The Fire inside (aus „Flamin’ Hot“) O It never went away (aus „American Symphony“) O Wahzhazhe (A Song for my People) (aus „Killers of the Flower Moon“) O What was I made for? (aus „Barbie“) O I’m just Ken (aus „Barbie“. „Für seinen fröhlichen Neon-Look auf Rollerskates hätte Ryan Gosling alias Ken einen Preis verdient. Weil die anderen Kandidaten in der Kategorie ,Bester Nebendarsteller‘ aber einfach stärker sind, sei ihm und dem Film wenigstens der Beste Song gegönnt.“)

Beste Filmmusik: O Jerskin Fendrix (Poor Things) O Ludwig Göransson (Oppenheimer) O Laura Karpman (American Fiction) O John Williams (Indiana Jones und das Rad des Schicksals) O Robbie Robertson („Killers of the Flower Moon“. „Robbie Robertson ist im August 2023 gestorben. Die Verleihung wäre postum – das wird emotional.“) Bester Schnitt: O Oppenheimer O Poor Things O Anatomie eines Falls O The Holdovers O Killers of the Flower Moon („Der sechste Film von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio und der zehnte von Scorsese und Robert De Niro. Klar lohnt der sich. Zu Herzen gehend: der Cameo-Auftritt von Scorsese am Schluss.“) Bestes Make-up und beste Frisuren: O Oppenheimer O Poor Things O Maestro O Die Schneegesellschaft O Golda („Schade, dass der Film über die israelische Premierministerin Golda Meir erst am 30. Mai in die deutschen Kinos kommt. Der Trailer jedenfalls zeigt: Die Frisur sitzt.“)

Bestes Kostümdesign: O Napoleon O Barbie O Oppenheimer O Killers of the Flower Moon O Poor Things (Die Kleider, in denen Hauptdarstellerin Emma Stone steckt, sind der Wahnsinn. Und das Beste: Ihre Wandlung von einer lebendig gewordenen Puppe zur emanzipierten Frau kann man auch kleidungstechnisch nachvollziehen. Was wir mit Mode ausdrücken können – dieser Film zeigt’s.“) Beste Kamera: O Oppenheimer O Maestro O Killers of the Flower Moon O Poor Things O El Conde („Tiefschwarze Bilder hat Ed Lachman hier gefunden. Der chilenische Diktator Augusto Pinochet als Vampir: abgedrehter Mix aus Komödie, Slapstick, Splatter – und gleichzeitig ein kritischer Blick zurück auf die Geschichte. Vergangenheitsbewältigung mal anders.“) Bestes Szenenbild: O Killers of the Flower Moon O Barbie O Poor Things O Oppenheimer O Napoleon („Wie sie es hier geschafft haben, die Schlachten und Stellungskriege des 18. Jahrhunderts in all ihrer Brutalität dem modernen Zuschauer vor Augen zu führen, ist außergewöhnlich. Und erzählt von der Sinnlosigkeit aller Kriege. Oscarwürdig!“)

Bestes adaptiertes Drehbuch: O Barbie O The Zone of Interest O Poor Things O Oppenheimer O American Fiction („Zwar bisschen langatmig, aber die Idee ist schon gut: Ein afroamerikanischer Autor schreibt einen Roman, der alle Klischees weißer Bildungsbürger über die Probleme schwarzer Menschen bereithält – und wird mit Preisen überhäuft. Amüsante Persiflage auf unser aller politische Korrektheit.“) Bestes Originaldrehbuch: O May December O Maestro O Anatomie eines Falls O The Holdovers O Past Lives – In einem anderen Leben („Wie poetisch: die Vorstellung, alle paar Jahre diesen einen Menschen wiederzusehen und zu hinterfragen: Was wäre gewesen, wenn? Und dann der Twist: Heute ist der Moment, die Weichen für das Ich der Zukunft zu stellen. Schön!“)

Beste Nebendarstellerin: O Emily Blunt (Oppenheimer) O Danielle Brooks (Die Farbe Lila) O America Ferrera (Barbie) O Da’Vine Joy Randolph (The Holdovers) O Jodie Foster (Nyad. „Oscarverdächtig ist die echte Diana Nyad, die als erster Mensch ohne Haikäfig von Havanna in Kuba nach Key West in Florida schwamm. Was für ein unglaubliches Projekt! Der Film ist zwar arg amerikanisch – aber halt auch sehr inspirierend.“)

Bester Nebendarsteller: O Sterling K. Brown (American Fiction) O Robert De Niro (Killers of the Flower Moon) O Robert Downey Jr. (Oppenheimer) O Mark Ruffalo (Poor Things) O Ryan Gosling (Barbie. „Gosling gilt nicht als Favorit – dafür kriegt er den heimlichen Preis für die schönsten braun gebrannten Oberarme.“)

Beste Hauptdarstellerin: O Annette Bening (Nyad) O Lily Gladstone (Killers of the Flower Moon) O Carey Mulligan (Maestro) O Emma Stone (Poor Things) O Sandra Hüller (Anatomie eines Falls. „Die Rolle wurde Sandra Hüller von Regisseurin Justine Triet auf den Leib geschrieben. Was Hüller daraus macht, ist atemberaubend. Wenn sie nicht gewinnt, wird die weitere Oscar-Party boykottiert!“)

Bester Hauptdarsteller: O Bradley Cooper (Maestro) O Colman Domingo (Rustin) O Cillian Murphy (Oppenheimer) O Jeffrey Wright (American Fiction) O Paul Giamatti (The Holdovers. „Wenn man bei Shakespeare den König spielt, dann spielen eigentlich alle um einen die Königsrolle. Ich musste nicht nach Fisch riechen – alle um mich mussten so tun, als würde ich riechen“, meinte Giamatti selbst zu seiner Rolle eines Mannes, der wegen einer Krankheit nach Fisch riecht. Ob’s an den anderen liegt oder an ihm selbst: Man riecht ihn förmlich durch die Leinwand.“)

Beste Regie: O Giorgos Lanthimos (Poor Things) O Christopher Nolan (Oppenheimer) O Martin Scorsese (Killers of the Flower Moon) O Justine Triet (Anatomie eines Falls) O Jonathan Glazer (The Zone of Interest. „Der Film erzählt die Gräuel des Holocaust über den Sound. Zwei Jahre lang haben Jonathan Glazer und sein Team am Ton gearbeitet, der versucht, hörbar zu machen, wie Auschwitz klang. So entsteht ein zweiter Film im Kopf. Ein schwer verdauliches Meisterwerk.“)

Bester Film: O American Fiction O Anatomie eines Falls O Barbie O The Holdovers O Killers of the Flower Moon O Maestro O Past Lives – In einem anderen Leben O Poor Things O The Zone of Interest O Oppenheimer („Ziemlich sicher gewinnt ,Oppenheimer‘. Klar bei den Bedingungen: Regisseur Christopher Nolan hatte in den Verhandlungen mit möglichen Studios ein Produktionsbudget von 100 Millionen US-Dollar und ein entsprechendes Marketingbudget gefordert, dazu eine Kinolaufzeit von mindestens 100 Tagen und dass der Verleih drei Wochen vor und drei Wochen nach der Veröffentlichung des Films keinen weiteren Film veröffentlicht. Universal stimmte zu…“)

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