Es ist ein schmaler Grat hin zum Voyeurismus, und glücklicherweise überschreitet Rodrigo García ihn in diesem Erinnerungsbuch nicht. „Abschied von Gabo und Mercedes“ (Kiepenheuer & Witsch, 167 S.; 22 Euro) hat der 1959 in Bogotá geborene Filmemacher seinen sehr persönlichen Text genannt. Er basiert auf den Notizen des Sohnes von Gabriel García Márquez und schildert die letzten Tage im Leben des kolumbianischen Autors und Literaturnobelpreisträgers. García setzt ein mit seinem Anruf bei den Eltern im März 2014 – der Vater ist erkältet, doch die Krankheit anders als sonst. „Das wird nicht mehr“, prognostiziert die Mutter – der Sohn nimmt sie zunächst nicht ernst. In 32 kurzen Kapiteln protokolliert García nicht nur das Sterben des Vaters und die enorme weltweite Anteilnahme, sondern erinnert sich auch an das Aufwachsen als Kind einer lebenden Legende. Das ist berührend und tröstlich. leic