Gegen die Liebe kommt man nicht an. Wer wüsste das besser als Chris Kolonko, bekannt als Augsburgs schönste Frau, die keine ist? Sie eröffnet die Frühlingsgefühle-Show „Big Love“ im Münchner GOP-Varieté mit dem Kultschlager von Hitparaden-Erotiker Roland Kaiser. Damit zeigt sie, wo es langgeht an diesem höchst unterhaltsamen Abend: Es wird amüsant, selbstironisch – und ein bisserl versaut. Aber auch nicht so schlüpfrig, dass man danach im Beichtstuhl um Vergebung aller Sünden bitten müsste. In Kolonkos frivoler Welt zwischen Sein und Schein wird das Niveau gewahrt.
Auch wenn man es kaum glauben mag, ist Kolonko bei dieser „Revue der Liebe“ zum ersten Mal Star eines GOP-Programms. Und das Warten hat sich gelohnt. „Ich bin keine echte Frau, weil ich ein Fräulein bin“ verrät sie/er. Das ist natürlich hoffnungslos untertrieben. Denn in Wahrheit ist Chris ganz viele Frauen – zumindest auf der Bühne. Mal klopft sie als rosahaarige Krawallrentnerin Berta und Witwe von Karl-Heinz Sprüche: „Mir geht’s gut. Ich weiß wenigstens immer, wo mein Mann gerade ist.“ Das erinnert im besten Sinne an Erfolgsnummern von Hape Kerkeling.
Und dann verwandelt sie sich glamourös mit Glitzer und Federn, als Frau Pfau, blitzschnell von Vicky Leandros in Helene Fischer, singt ganz wunderbar. Fräulein Kolonko macht nie ein Geheimnis daraus, dass sie nur eine schöne Illusion ist. Den Schreck nach dem Abschminken beschreibt sie so: „Das ist ungefähr so, wie wenn Sie mit Helene Fischer nach Hause gehen, und Roland Kaiser wacht neben Ihnen auf.“ An Selbstbewusstsein mangelt es ihr trotzdem nicht, wie sie mit blitzgescheiten Bonmots zeigt: „Warum ich noch nie im Dschungel war? Weil ich meinen Beruf beherrsche.“
Trotzdem ist „Big Love“ mehr als nur eine exzellente Travestie-Show. Gospelsängerin Bridget Fogle aus New York singt „I will always love you“ so wunderschön, dass Whitney Houston garantiert anerkennend runterschaut auf die Maximilianstraße. Aus der brillanten Artistenschule der Ukraine kommen fabelhafte Nummern an der Pole-Dance-Stange und auf Rollschuhen von Anastasia Mazur sowie von Alex & Natalia. Das Paar zeigt an den Strapaten als Adam und Eva, wie die amouröse Weltgeschichte einst begonnen hat – und wie der leidige Apfel die Chose gleich mal auf den Kopf gestellt hat. Paradiesisch! Und die Jongliernummer mit Kleiderwechsel der Messoudi Brothers aus Australien ist spektakulär gut. Das umjubelte Duett zeigt, dass sich auch klassische Varieté-Nummern immer wieder neu erfinden lassen. Wenn man gegen die Liebe nicht ankommt – dann erst recht nicht gegen den verführerischen Charme von „Big Love“.
Weitere Vorstellungen
bis 12. Mai; Tickets und Termine gibt es unter www.variete.de oder unter Telefon 089/ 210 28 84 44.