Ein persönliches Thema, mit Eleganz und mit Weitblick umgesetzt: Ika Sperling, 1996 in Mainz geboren, erinnert am Ende von „Der große Reset“ an jene Menschen, die Angehörige an „eine Verschwörungsideologie“ verloren haben. Im Leben ihrer Protagonistin ist es der Vater, der sich nach Pandemie, Russlands Angriff auf die Ukraine und der Inflation immer mehr in „alternativen Fakten“ verliert und seiner Familie entgleitet. Mehr noch: Er will die Scheidung und verkauft im Alleingang das Haus, weil er Geld für seine Auswanderung benötigt. Sperling findet für ihre erste Graphic Novel einen überzeugenden ästhetischen Zugriff auf die Geschichte. Mit zarten Aquarellfarben koloriert, zeichnet sie die Vaterfigur als durchsichtigen Wassermann – schwer greifbar und leicht auffüllbar. Erzählerisch hütet sie sich vor Vorverurteilungen, sondern schildert vor allem die Sprachlosigkeit innerhalb der Familie beeindruckend.
LEIC
Ika Sperling:
„Der große Reset“. Reprodukt, 176 Seiten; 24 Euro.
★★★★★ Hervorragend