Heimatsound aus Hinterwieslharing

von Redaktion

Richard Oehmann und Josef Parzefall über 30 Jahre „Doctor Döblinger“ und ihr neues Kasperl-Hörspiel

Die Aufnahmen des neuen Hörspiels: Sebastian Bezzel (li.) spricht den Radiomoderator Sören Pfaffinger. © Dufter

Ihre Abenteuer begeistern seit 30 Jahren: Kasperl und Seppl (Mitte) und der Rest von Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater. © Döblinger, Götzfried

Kasperl-Duo: Richard Oehmann (li.) und Josef Parzefall.

Seit 30 Jahren lassen Josef Parzefall (54) und Richard Oehmann (57) nun schon die Puppen tanzen – und sie feiern ihr Jubiläum mit einem neuen Hörspiel aus „Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“ (siehe CD-Tipp Seite 36). Der Ort ist wieder Hinterwieslharing an der Gschwoab. Die Personen: ein anarchischer Kasperl und sein dappiger, aber philosophischer Spezi Seppl. Dazu Figuren wie der lahmarschige Wachtmeister Wirsing oder der großspurige König Thorsten und der demokratievergessene Bürgermeister Klingshirn. Und wieder werden die Kinder nicht von oben herab bespaßt, und auch die Eltern fühlen sich bestens unterhalten. Neu ist diesmal die Kooperation mit dem Landesverband für Heimatpflege – und Sebastian Bezzel in der Rolle eines abgehalfterten Moderators.

Glückwunsch zum 30-Jährigen! Hat man Ihr Kasperltheater eigentlich schon zum Bayerischen Kulturerbe erklärt?

Richard Oehmann: Neulich waren wir jedenfalls bei „BR Heimat“ im Radio, da hat der Moderator nach jeder Musik-Unterbrechung mit sonorer Stimme gesagt: „30 Jahre Doctor Döblinger!“ Das klang wie die „Werthers Echte“-Werbung.

Apropos: Gleich am Anfang Ihrer neuen CD lernen die Kinder die vielfältigsten bairischen Bezeichnungen für Bonbons: Guatln, Guttis, Zeltln. Zeigt sich da schon die Kooperation mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege?

Josef Parzefall: Die Zeltln kenne ich noch aus meiner Kindheit in Niederbayern. Aber die sind natürlich nur ein Randaspekt. Wir haben in der Vergangenheit schon mit den Bayerischen Landschaftsschützern zusammengearbeitet. Die haben uns unterstützt, und wir haben in unseren Geschichten Themen untergebracht, für die sie eine Öffentlichkeit suchen. Etwa seltene Tiere oder Pflanzen.
Oehmann: Mit den Heimatpflegern passen wir eh zusammen. Kasperltheater ist was Traditionelles, bei uns wird Bairisch gesprochen und wir haben als Themen das ländliche oder Kleinstadtleben.

Der Friede in Hinterwieslharing ist diesmal in Gefahr. König Thorsten will ein traditionelles Bauwerk abreißen, um Platz für eine Jubel-Parade zu haben.

Oehmann: Das war eines der Anliegen des Landesvereins für Heimatpflege, dass wir was über Abriss von alten Häusern machen. Da waren wir natürlich gerne dabei.

Für ein Kinderformat schneiden Sie oft brisante Themen an: Klimawandel, Verschwörungstheorien, Ladensterben, die Ignoranz der Mächtigen.

Oehmann: Das hat sich so entwickelt. Als wir angefangen haben, waren es typische Kasperl-Geschichten. Irgendwann merkt man aber, dass man mit dem Personal noch ein bisschen mehr machen kann.
Parzefall: Anfangs haben wir unsere Theaterstücke zu Hörspielen umgemodelt. Die waren so geschrieben, dass auch Dreijährige sie verstehen.

Längst lachen auch die Eltern über Kasperl und Seppl mit ihrem hinterkünftigen Humor. Denken Sie beim Schreiben der Stücke an Erwachsene?

Parzefall: Nur in der Hinsicht, dass man aufpassen muss, dass sich die Kinder nicht langweilen, wenn sich Erwachsenen-Gags häufen.
Oehmann: Im Grunde machen wir einfach das, was wir selbst lustig finden.

Das Fehlen von Moral und Pädagogik ist Ihr Markenzeichen geworden.

Parzefall: Zu was sollten wir die Kinder denn erziehen? Unsere Geschichten dunsten schon etwas aus – wenn man das riecht, dann weiß man: Diese Verhaltensweise finden wir gut, die andere schlecht.
Oehmann: Aber wir sind nie sehr zeigefingerig.

Wie sind Sie diesmal auf Ihren „Gaststar“ Sebastian Bezzel gekommen?

Oehmann: Den kenne ich schon länger, wenn auch nicht gut. Weil er und seine Familie gern unsere Hörspiele hören, sagen wir seit Jahren, dass wir ihn als Gast einbauen. Jetzt hat‘s endlich geklappt.

Hat er denn Spaß gehabt? Man weiß es nicht, weil er so grantig klingt.

Parzefall: Auf jeden Fall!
Oehmann: Seine Figur tendiert ja schon ins Verzweifelte, im Stück ist er ein Heimatradio-Moderator auf dem absteigenden Ast.

Sie lassen ihn permanent Gaudibursch-Ansagen kalauern. Darf man vermuten, dass Sie für das überdrehte „Morning Man“-Entertainment im Radio nicht wirklich was übrig haben?

Parzefall: Das Bespaßen mit flotten Sprüchen geht mir persönlich wirklich ein bisschen auf die Nerven. Sogar bei Bayern 4 heißt es jetzt: „Das Lied hat auch schon ‘n paar Jährchen aufm Buckel.“ Das muss ich bei Haydn nicht unbedingt hören.

Wie viel Kasperl steckt in Ihnen, Herr Oehmann, und wie viel Seppl in Ihnen, Herr Parzefall?

Oehmann: Der Kasperl ist manchmal in einer Form gemein, die mir fern liegt. Hoffe ich. Aber dieses sich so ein bisserl raushalten und nicht unbedingt zu aktiv sein wollen, um die Welt zu retten, so bin ich schon auch. Wobei: Die Weltrettung wäre mir schon wichtig. Manchmal würde man halt einfach lieber daheimbleiben.
Parzefall: Mit dem Seppl verbindet mich wohl die Begeisterung am Detail, die Wissbegierde. Aber vielleicht auch die Leichtgläubigkeit.

Bei aller Einfalt ist er mitunter ein richtiger Philosoph.

Parzefall: Das mag ich ganz gerne, dass er manchmal Dante zitiert oder erwähnt, dass er auf der Biennale war – man weiß nicht: Hat er das nur irgendwo aufgeschnappt oder ist er untergründig ein ganz anderer?

Liegt das daran, dass Sie halber Altphilologe sind?

Parzefall: Ich hab’s mal zwei Semester aus Interesse studiert.
Oehmann: Er hat mal die „Elektra“ von Sophokles aus dem Altgriechischen ins Bairische übersetzt! Parzefall: Im Versmaß, ja. Des macht Spaß!

Da sieht man wieder, was bei Ihnen alles drinsteckt. Sie bilden die Kinder hinterrücks!

Oehmann: Oft sagen Eltern: Das verstehen die Kinder ja gar nicht. Und in manchen Fällen stimmt das ja auch. Aber ich hab früher beim Fernsehschauen auch nicht genau gewusst, was ein Musketier ist. Man weiß: Das sind die Guten, das die Bösen. Aber die Details… Hauptsach, es wird geschossen.
Parzefall: (Lacht.) Und nur wenig geknutscht.

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