Absolut tanzbar ist die Musik von Dario G. © Glenn Ashley/dpa
Gerade jetzt, wo sein Über-Hit „Carnaval de Paris“ auf den EM-Fanmeilen rauf und runter läuft, ist es umso trauriger, dass DJ Dario G nicht mehr mitfeiern kann. Denn Paul Spencer, der Engländer, der hinter dem italienisch klingenden Künstlernamen steckte, ist jetzt mit 53 Jahren an Darmkrebs gestorben.
Falls seine Engländer tatsächlich zum ersten Mal Europameister werden, kann der enthusiastische Fußballfan nicht mehr mitjubeln. Aber egal, wer die EM gewinnt: „Carnaval de Paris“ ist garantiert auf allen Siegesfeiern zu hören, wie bei jedem großen Turnier seit 1998.
Damals, zur WM in Frankreich, ist Spencer mit seinen DJ-Kollegen Stephen Spencer (nicht mit ihm verwandt) und Scott Rosser als Trio „Dario G“ der große Coup gelungen. „Carnaval de Paris“, eine ungeheuer eingängige Party-Nummer mit brasilianischen Trommlern, französischem Akkordeon und italienischer Mandoline, ging um die Welt. Später machte der Song vielen Menschen Mut, als ihn die US-Fußballer 2001 bei ihrer ersten Partie nach 9/11 einspielen ließen.
Spencer und seine Kumpels hörten die Melodie, die auf der Folk-Ballade „Oh my Darling, Clementine“ basiert, 1996 zum ersten Mal im Stadion von Sheffield Wednesday und zauberten einen Riesenhit daraus. Der wird bis heute auch in der Südkurve des FC Bayern gesungen: „Von der Elbe bis zur Isar, immer wieder FCB.“
Riesenerfolg hatten Dario G, die sich nach dem britischitalienischen Fußballtrainer Dario Gradi benannten, schon ein Jahr davor, 1997 mit „Sunchyme“. Das war auch so ein cleverer Tanzflächen-Feger, wie ihn Paul Spencer liebte. Drei Töne, Di-Da-Dum, dazu der Refrain „Heya Mama hey“ – mehr braucht’s nicht für den Stadionchor. Eigentlich wäre „Sunchyme“ Nummer 1 in den britischen Charts geworden. Aber Elton Johns Lady-Diana-Andenken „Candle in the Wind“ war unschlagbar.
Die ganz großen Hits hatte Paul Spencer, der Dario G bald zu einem Solo-Projekt machte, danach nicht mehr. Aber er trat auf vielen Fußball-Partys auf und brachte zu großen Turnieren immer wieder neue Songs und Remixes heraus.
Seine Krebserkrankung machte er im Juni des vergangenen Jahres öffentlich. Er appellierte, zur Vorsorge zu gehen, und spendete die Erlöse seiner Single „Savour the Miracle of Life“ an die Krebshilfe-Organisation „Macmillan Cancer“. Zuletzt zeigte er sich im April beim Klavierspielen im Rollstuhl, auf einem Instagram-Foto mit dem Text: „Ich habe Schmerzen beim Spielen, aber es hat mir viel Spaß gemacht.“ JÖRG HEINRICH