Was war das damals für eine Aufregung: Zur Filmpremiere von „Notting Hill“ in London erschien Julia Roberts 1999 mit sichtbar unrasierten Achseln. Auch ein Vierteljahrhundert später ist Körperbehaarung ein Thema. Wo sie sein darf und auch, wie viel davon. Und inzwischen ist der Kult um die Haare längst nicht mehr nur ein Frauenthema. Franziska Setare Koohestani erzählt in „Hairy Queen“, einer mit witzigen Anekdoten gespickten Kulturgeschichte der Schönheitsideale, von den historischen Wurzeln des regelmäßigen Rasierens und dem Postulat der babypogleichen Glattheit bis zur Selbstermächtigung inklusive Enthaarungsverweigerung. „Daran, wie wir mit der Körperbehaarung umgehen, kann man ablesen, wie unsere Gesellschaft strukturiert ist“, schreibt sie. Klassismus, Anti-Feminismus und Rassismus – hängt sozusagen alles an unseren Haaren. Koohestani plädiert für einen entspannten Umgang ohne Scham. Egal ob als Nacktmull oder als Bär.
ULF
Franziska Setare Koohestani:
„Hairy Queen“. Ullstein Verlag, 284 Seiten; 12,99 Euro.
★★★★☆ Lesenswert