Adele, der Touristen-Magnet

von Redaktion

Mobilfunk-Daten zeigen: Erstes Konzert lockte fast zur Hälfte Ausländer an

Fans aus aller Welt besuchen Riem im August. © Mirjam Anker/Martin Hangen

Ein Social-Media-Ereignis: Fans filmen mit ihren Smartphones das Konzert von Adele. Die Mobilfunk-Daten sind jetzt ausgewertet worden. © Instagram

Die Mega-Konzerte der britischen Pop-Queen Adele haben schon jetzt zehntausende Menschen aus dem Ausland nach München gelockt. Nur gut die Hälfte aller Besucherinnen und Besucher kam beim ersten der zehn Konzerte aus Deutschland, wie eine Analyse der Mobilfunkdaten des Telekommunikationsunternehmens O2 Telefónica zeigt. Damit lag der Anteil ausländischer Fans den Angaben zufolge sogar noch über dem Eröffnungsspiel der Fußball-EM (40 Prozent). Am heutigen Freitag soll die dritte Show in der eigens für Adele konzipierten Arena über die Bühne gehen.

Es sind die einzigen Konzerte in Europa, die Adele in diesem Jahr gibt. Entsprechend groß war der Andrang bei der Premiere am 2. August. „Allein rund 10 000 Briten waren beim Eröffnungskonzert dabei und bildeten damit die mit Abstand stärkste internationale Fangruppe“, erläutert O2 Telefónica. Mehrere tausend Fans kamen jeweils auch aus Österreich, den Niederlanden und Polen. Auch die USA schafften es mit rund 1000 Fans unter die Top 10. Kleinere Gruppen reisten selbst aus Brasilien, Argentinien, Australien, Kanada, China und Indien zu dem Konzert am vergangenen Freitag an.

Der Frauenanteil unter den 73 000 Menschen im Stadion lag bei 60 Prozent. Besonders auffällig war laut Analyse der hohe Anteil junger Frauen zwischen 18 und 29 Jahren, die fast ein Fünftel aller Fans ausmachten. Je älter die Besucher waren, desto höher wurde auch der Männeranteil – in der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre stand es nahezu pari.

Zur jüngsten Altersgruppe gehörten 28 Prozent der Zuschauer. Ein Viertel stellte allerdings auch die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen. 18 Prozent waren zwischen 30 und 39 Jahre alt, 15 Prozent zwischen 40 und 49 Jahre, und elf Prozent zählten zur Altersgruppe 60 bis 69 Jahre.

Im Schnitt verbrachten die Fans gut fünfeinhalb Stunden vor Ort, was sicherlich auch am aufwendigen Rahmenprogramm der Adele World mit Essensständen, Riesenrad und Karaoke gelegen haben dürfte. Das bayerisch-britisch angehauchte Volksfest war ebenso wie das Pop-up-Stadion eigens für die Konzerte errichtet worden. Die meisten Fans trafen zwischen 17 und 18 Uhr auf dem Gelände ein und verweilten dort oft noch bis Mitternacht.

Drei Viertel der Fans reisten am Tag des Konzerts aus dem Freistaat an, es kamen aber auch Menschen aus allen anderen Bundesländern. 38 Prozent verbrachten die Nacht davor in München. „Ob für Hotels, Gastronomie, ÖPNV- oder Taxifahrten – die Analyseergebnisse legen nahe, dass die Adele-Konzerte aufgrund der hohen Anzahl an in- und ausländischen Touristen einen signifikanten ökonomischen Wert für die Stadt München haben“, sagt Thomas Treß, Datenanalyse-Experte bei O2 Telefónica.

Diese Annahme stützen auch Daten von Booking.com. Demnach stiegen die weltweiten Suchanfragen für Unterkünfte in München für den Zeitraum der Konzerte zwischen Anfang Februar und Ende Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82 Prozent. Besonders die Anfragen aus den Niederlanden (+238 Prozent) und Großbritannien (+241 Prozent) legten zu. Auch bei den über das Portal gebuchten Flügen in die bayerische Landeshauptstadt habe es aus England (+426 Prozent) ebenso wie Frankreich (+226 Prozent), Spanien (+133 Prozent) und Italien (+110 Prozent) einen signifikanten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gegeben.

O2 Telefónica versorgt bundesweit rund 45 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Für seine Analyse hatten das Unternehmen und der Analysespezialist Invenium Data Insights anonymisierte und aggregierte Mobilfunkdaten ausgewertet, die durch Telefonate oder Social-Media-Aktivitäten der Besucher beim Adele-Auftaktkonzert entstanden waren. Sie wurden den Angaben zufolge statistisch valide auf die Gesamtzahl der Besucherinnen und Besucher hochgerechnet.

Die Veranstalter hatten freilich mit diesem Zustrom kalkuliert: „Wir haben Adele gegenüber ganz bewusst München als Argument ins Feld geführt“, sagte Konzert-Legende Marek Lieberberg (78) Ende Januar gegenüber unserer Zeitung. Die Stadt sei gewissermaßen der Trumpf bei der Bewerbung als Konzert-Standort gewesen. Sie sei zentral gelegen, eigne sich also als Ziel von Fans aus ganz Europa. Sie verfüge über einen Flughafen – und eine Infrastruktur, die einmal im Jahr auch das größte Volksfest der Welt verkraftet.
ELKE RICHTER,

JOHANNES LÖHR

Weitere Konzerte

Adele spielt heute und morgen sowie am 14., 16., 23., 24., 30. und 31. August in Riem.

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