Nina Simone ist eine Klasse für sich, man sagt das so dahin. Aber es bedarf schon eines großen Selbstbewusstseins, den Song „Seems I’m never tired lovin’ you“ einfach als definitive Version als Eröffnungsstück auf ein Album zu lassen – auch wenn man sich bei Minute 1,42 hörbar verhaut. Der kleine Moment der Irritation tut dem Genuss dieser fulminanten Interpretation allerdings auch keinen Abbruch, im Gegenteil: Er passt ganz gut zu Simones Kunst, die sich nie scheute, auch mal dorthin zu gehen, wo’s wehtut. 1969 begleitete sie sich in New York nur am Piano und spannte dabei alte Blues-Klassiker wie Blind Willie Johnsons „Nobody’s Fault but mine“ und junge Meisterwerke wie „I think it’s going to rain today“ von Randy Newman zusammen – wobei sie ihr eigenes Bach-Studium immer wieder durchscheinen ließ. Eine große Seelensängerin, eine große Musikerin. Eine große Platte, die jetzt exquisit analog gemastert wieder zu haben ist.
LÖ
Nina Simone:
„and Piano!“ (RCA Victor / Speakers Corner).
★★★★★ Hervorragend