Erstmals an Michaels Denkmal: (v. li.) Tito, Jackie und Marlon Jackson auf dem Promenadeplatz. © Johannes Löhr
Jackson 5: Das Münchner Konzertposter von 1972.
Der Zuchtmeister und seine Buben: Joe Jackson (li.) mit Jackie, Tito, Marlon, Jermaine und Michael. © Actionpress
Als Michael Jackson am 4. November 1972 zum ersten Mal in München auftrat, war er noch nicht der King of Pop, allenfalls der Kronprinz. Und um ihn scharten sich seine Brüder, alle älter als er – aber trotzdem war klar, dass er einmal auf dem Thron sitzen würde. Er war der Star der Jackson 5, tanzte wie James Brown und sang mit glockenheller Knabenstimme funky Hits wie „ABC“ und „I want you back“.
All das ist lange her. Der König ist tot, auch wenn er im Herzen seiner Fans ewig weiterlebt. Gerade in München, wo sie auf dem Promenadeplatz vor dem Bayerischen Hof immer noch täglich Blumen vor dem inoffiziellen Michael-Denkmal niederlegen. Zum ersten Mal stehen am Montagnachmittag auch die verbliebenen Prinzen von damals, Tito (70), Jackie (73) und Marlon (67), vor der Orlando-di-Lasso-Statue und blicken durch ihre dunklen Sonnenbrillen auf die vielen Bilder und Devotionalien. Sie trugen Michaels Sarg bei der Beerdigung am 7. Juli 2009 in Los Angeles – und sie sind von den vielen Liebesbeweisen beeindruckt.
„Es ist einfach wundervoll“, sagt Marlon wenig später im Hotel. „Wir haben das Denkmal heute zum ersten Mal gesehen.“ Deshalb seien sie für ihr einziges Deutschland-Konzert auch nach München gekommen, pflichtet Jackie bei. „Die Fans hier haben uns über all die Jahre unterstützt.“ Und der coole Tito brummt: „Die Fans hier sind wunderbar.“ Die Sonnenbrillen nehmen die alten Jungs auch jetzt nicht ab.
Überhaupt freuen sich die Brüder auf eine historische Begebenheit: Sie treten am heutigen Dienstagabend im Circus Krone auf, dem Ort ihres ersten Deutschland-Konzerts 1972. Und Michael wird auch diesmal dabei sein. Umrahmt wird die Musik durch Film-Einspielungen (auch mit Michael Jackson) auf einer großen Leinwand. Alle Tanzschritte von damals hätten sie noch drauf, sagt Jackie grinsend. Ein Augenzwinkern kann man durch die Brille nicht erkennen – aber so ganz ernst kann er’s nicht meinen. Man merkt: Das hier sind uralte Showbiz-Schlachtrösser.
Es gibt die Band seit 60 Jahren – und anfangs war es weiß Gott kein Zuckerschlecken. Joseph „Joe“ Jackson, Vater von elf Kindern, ein Stahlarbeiter und Hobby-Musiker, dirigierte die Karriere seiner Sprösslinge mit eiserner Faust. Es war Tito, der ihn auf sein Talent aufmerksam machte, als er sich heimlich Papas Gitarre nahm – und eine Saite riss. Der Vater ließ sich was vorspielen – und war so beeindruckt, dass er Tito nicht nur eine eigene Gitarre kaufte, sondern ihn, Jackie und Bruder Jermaine 1964 ein Gesangs-Trio gründen ließ. Zu den Jackson 5 wurden sie, als Joe 1966 Marlon und Michael fürs Team verpflichtete. Zu den alten Kollegen bei der legendären Plattenfirma Motown hätten sie noch regen Kontakt, berichtet Marlon. „Mit Smokey Robinson haben wir gestern erst telefoniert.“ Und Stevie Wonder habe jüngst erst die Mundharmonika für Titos neuen Song „Love one another“ eingespielt.
Heute unterstützt Titos Sohn Taryll die Jacksons auf Tour – und führt gewissermaßen Michaels Erbe fort. Zuletzt sei er 1997 zusammen mit seinen Brüdern in München gewesen, erinnert er sich, jetzt eben mit den Onkeln. „Ich habe die Jacksons von klein auf so oft auftreten sehen“, sagt er. „Ich war bereit für den Anruf.“ Eineinhalb Stunden wird das Konzert heute Abend dauern – gespickt mit den großen Hits wie „Dancing Machine“, „Blame it on the Boogie“ und „I’ll be there“.
Die Fans dürften sich auf „eine echte Jacksons-Show“ freuen, sagen die Brüder. „Wir wollten die Leute vom ersten Tag an zusammenbringen, und so machen wir das auch diesmal: Wir feiern eine Party – und haben eine gute Zeit!“
JOHANNES LÖHR
Karten für die Show
gibt es noch unter www.bau.
circus-krone.com