Warum sie Albert King auf dem Cover der LP „Live Wire/Blues Power“ ein Blümchen in den Mund gesteckt haben, ist nicht bekannt. Vielleicht, um zu zeigen, dass Bluesmänner nicht notwendigerweise vom Schicksal gestreifte Haudegen sein müssen. Auch stilistisch ist der Live-Mitschnitt aus dem „Fillmore Auditorium“ in San Francisco aus dem Jahr 1968 breit gefächert. Los geht’s mit einer funky tanzbaren Version des R’n’B-Klassikers „Watermelon Man“. Klar: Kings gewohnt kantig gespielte Soli sind dem Zwölftakter verpflichtet – aber ansonsten ist das hier schweißtreibender Sixties-Soul. „Night Stomp“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Mit „Blues at Sunrise“ gibt’s hier nur eine langsame Nummer, der Rest geht flott ins Bein. Die essenzielle King-Platte ist jetzt vorbildlich analog gemastert auf Vinyl zu haben – mit schön hartem Karton-Cover, wie in den Sechzigern. Das Blümchen kommt gut zur Geltung.
LÖ
Albert King:
„Live Wire/Blues Power“ (Concord/Craft/Bluesville/Universal).
★★★★★ Hervorragend