Von ihm hätte man Schrofferes erwartet, mehr musikalisches Schwarz-Weiß. So, wie man es von seinem einstigen Chef Teodor Currentzis gewöhnt ist. Doch Maxim Emelyanychev, ehemaliger Cembalist bei MusicAeterna und inzwischen auf eigenen Dirigenten-Wegen unterwegs, denkt sich Schuberts Symponien anders. Abgründiges, Hochspannendes lässt sich auch in der Formung einer kleinen, leisen Phrase finden, wie man in der „Unvollendeten“ hört. Vor allem aber ist das Kantable Basis aller Interpretation, so führt es Emelyanychev mit dem Scottish Chamber Orchestra vor. Es gibt Momente, die klingen hier wie Gesang ohne Worte. Und vermitteln mehr vom Dunklen dieser Symphonie als äußerlicher Druck oder inszenierte Theatralik. Auch in der Fünften ist das so, obgleich die schnellen Sätze hier übertourig genommen werden und vor Intensität vibrieren. Am 29. und 30. November gastiert Emelyanychev bei den Münchner Philharmonikern.
TH
Franz Schubert:
Symphonien Nr. 5 und 8, Rondo A-Dur. Scottish Chamber Orchestra, Maxim Emelyanychev (Linn).
★★★★☆ Hörenswert