„Das Ideal ist es, Spaß zu haben“: David Garrett im Gespräch mit Tobias Hell. © Jens Hartmann
„Wir wollen eine Marke setzen, es ist die erste Tour mit meinem neuen Team“, sagt David Garrett. Am 20. März 2025 spielt er in der Olympiahalle, sein neues Album heißt „Millennium Symphony“. © Jens Hartmann
Beim vergangenen Abstecher nach München war David Garrett für seine Verhältnisse im intimen Rahmen zu erleben. Mit einem klassischen Programm in Trio-Formation, das die Isarphilharmonie trotzdem gefüllt hatte. Fans des Geigers sollten sich den 20. März 2025 rot im Kalender markieren. Angelehnt an das aktuelle Album „Millennium Symphony“ startet an diesem Tag in der Olympiahalle seine nächste große Crossover-Tour. Tickets gibt es unter www.eventim.de.
Spielt man in solchen Hallen und Arenen anders als im klassischen Konzertsaal?
Wenn man es ernst nimmt nicht! Die Intonation, die Phrasierung und das Timing müssen immer sitzen. Egal ob bei Debussy oder einem Crossover-Programm. Das Wichtigste für Musiker ist das Zuhören. Das Ideal ist es, Spaß zu haben, aber trotzdem so konzentriert zu bleiben, dass man auch spontan reagieren kann, wenn etwas anders läuft als auf der Probe. Denn kein Abend ist so wie der davor.
„Millennium Symphony“ klingt sehr bombastisch. Was erwartet das Publikum?
Es ist das erste große Crossover-Projekt seit sechs Jahren und die erste Tour mit meinem neuen Team. Dementsprechend wollten wir schon eine Marke setzen. Und wenn du bei einem Album, das „Millennium Symphony“ heißt, ohne Orchester ankommen würdest, wäre das einfach eine Mogelpackung. Und dafür stehe ich nicht.
Auf der Trackliste des neuen Albums sind einige Songs aus der Elektro-Richtung. War es schwierig, diese Nummern in eine analoge Klangsprache zu übersetzen?
Wichtig ist es immer, eine Idee zu haben, wohin sich das Stück bewegen soll. Wenn ich meine Arrangements schreibe, ist die erste Instanz immer die Melodie. Da muss ich für mich etwas finden, das mit der Geige kompatibel ist. Danach geht es dann ans Klavier, damit die Idee reifen kann. Und die Orchesterstimmen entstehen eigentlich erst, wenn ich mir klar bin, welche Dimensionen es annehmen soll und welche Varianten man einbauen könnte.
Bei Ihrer letzten Tour wurden viele Stücke im Kammerformat neu arrangiert. Diesmal also eher die symphonische Gegenrichtung?
Schon, aber der Titel hat eigentlich einen anderen Ursprung. Das muss ja vor allem auf dem Cover gut aussehen. Deshalb bastle ich da auch selber immer mit dem Filzstift rum. (Lacht.) Nein, es kommt daher, dass es diesmal nur Stücke sind, die nach dem Jahr 2000 entstanden sind. Ich wollte bewusst Songs, deren Originale noch sehr frisch im Kopf sind. Und das erklärt der Titel kurz und knackig.
Crossover-Projekten wird gerne vorgeworfen, einfach nur ein „Best-of“ aus den Charts zu nehmen und dann alles in einen Topf zu werfen. Eine unfaire Kritik?
„Best-of“ ist für mich eher ein Kompliment. Denn die Vielfalt in der Musik hat in den letzten Jahren schon gelitten. Songs werden einfacher und kommen schneller auf den Punkt, wodurch beim Songwriting ganz neue Strukturen entstehen. Trotzdem gibt es sehr wohl immer noch tolle Songs.
Besteht die Kunst heute darin, aus wenig möglichst viel zu machen?
Ich denke, dass gut 80 Prozent aller Songs lediglich auf zwei bis drei Harmonien basieren. Aber das ist auch bei den meisten bekannten Hits der Beatles so, obwohl sie natürlich auch viel Experimentelles gewagt haben. Oder nehmen wir das Allegretto aus der siebten Symphonie von Beethoven. Das sind auch nur wenige Akkorde, aber es ist einfach genial gemacht. Gute Musik ist eben gute Musik.
Eine große Überraschung war für viele wahrscheinlich, als 2023 Ihr erstes Klavierkonzert mit Olga Scheps als Solistin uraufgeführt wurde. Wie kam es dazu?
Ein Geigenkonzert wäre zu naheliegend gewesen. Ich schreibe seit Jahren meine Arrangements und werde trotzdem immer wieder gefragt, wer das denn für mich macht. Das Klavier war jetzt so weit weg von mir, dass alle einfach davon ausgehen müssen, dass ich es tatsächlich selbst geschrieben habe.
Nicht nur das. Bei der zweiten Aufführung waren Sie auch selbst als Dirigent im Einsatz.
Ich war mit der Uraufführung nicht so glücklich und habe zu Olga gesagt: Lass uns das doch noch einmal machen. Und nachdem ich logischerweise jede Note kenne, dachte ich mir, bei dem Stück werde ich das schon hinkriegen. Es war eine gute Erfahrung, weil du dem Orchester in den Proben mitgeben kannst, was du dir vorgestellt hast.
Also eine mögliche Zweitkarriere?
Ich habe wahnsinniges Glück, ein Publikum zu haben, das seit Jahren alle meine musikalischen Reisen mitmacht. Ob ich auch andere Komponisten dirigieren würde, weiß ich nicht. Ich will nichts ausschließen. Aber aktuell bin ich mit der Geige noch gut beschäftigt.