Mit ihrer pinken Ziehharmonika schleppt die Kärntnerin Melissa Naschenweng fesche Buam ab – behauptet sie jedenfalls. © Anelia Janeva
Mehr Klischee geht beim besten Willen nicht. Die Ziehharmonika von Melissa Naschenweng ist so pink wie ihre Cowgirl-Stiefel, die garantiert noch keinen Kuhstall gesehen haben. Auf Fotos posiert sie im rosa lackierten Traktor oder auf blumigen Almwiesen. Und dann, herrje, heißt ihr neues Album, das jetzt erschienen ist, auch noch „Alpenbarbie“. Subtil geht anders. Aber wundersamerweise macht der bestens vermarktete Jodelrock trotzdem Spaß. Melissa Naschenweng lässt auch auf der neuen Platte die Kuh fliegen.
Daheim in Österreich ist die 34-jährige Kärntnerin längst Pop- und Schlagerstar Nummer 1, mit Platinplatten und sechs Amadeus-Awards. Zuletzt im November hat sie in der Münchner Olympiahalle bewiesen, dass ihre Mitsing-Hits wie „I steh auf Bergbauernbuam“ und „Verliabt“ auch nördlich der Alpen zur Partybeschallung taugen. Fazit unserer Zeitung: „Die Helene Fischer von der Alm.“ Dabei gilt: blond, aber nicht blöd.
Wenn bei Melissa Naschenweng aus Louis Vuitton der „Luis von do“ wird, und wenn sie sich nach einem Kerl mit „Traktorführerschein“ verzehrt, ist das oft genug charmant, lustig und gewitzt. Klar liegt der Vergleich mit Andreas Gabalier nahe, dessen Bruder Toni aktuell ihr Herzensbua ist. Aber die Andrea Gabalier aus dem Lesachtal ersetzt die schwitzigen Steirerposen ihres Schwagers in spe gottlob durch Schmäh, augenzwinkernden Humor und weibliches „Empowerment“, wie Selbstbewusstsein heute heißt.
So funktioniert auch das neue Album, an dem deutsche Schlager-Routiniers wie Maite Kelly oder Tim Peters mitgeschrieben haben. Die Alpenbarbie schleppt wieder fesche Buam ab. Denn: „Du gfallst ma scho länger, geh, steig auf mein’ Hänger.“ Hänsel und Gretel lässt sie bei einer märchenhaften Sause im Wald versumpfen: „Schneewittchen trinkt an Apfelmost und ihr Freind an Jagatee.“
Ruhige Töne sind auch zu hören, mit einem anrührenden Gruß an ihre Großeltern droben beim „Himmelvota“. Und beim beeindruckenden Werkzeug vom „Michl mit der Sichl“ wird ihr ganz blümerant zumute. Die Alpenparty geht also weiter. Oder, wie der Engländer sagt: „That makes Sense.“ Bei Melissa Naschenweng auf der Alm, da gibt’s a Sünd.
JÖRG HEINRICH