Gewalt hatte Gary Davis schon zur Genüge erfahren (unter anderem durch seinen Vater, der seinerseits unter ungeklärten Umständen vom Sheriff von Birmingham, Alabama, erschossen wurde). Geboren 1896 als eines von acht Kindern – nur zwei erreichten das Erwachsenenalter –, erblindete er bereits als Bub. Er wurde Baptistenprediger und Sänger, dem man Blues und Gospel tatsächlich abkaufte. An dieser fantastischen Session von 1960, aufgenommen für das Bluesville-Label in Rudy van Gelders Heimstudio in New Jersey, besticht zweierlei: Davis hatte den Humor nicht verloren und er war ein großartiger Gitarrist (der Nachahmer von Ry Cooder über Taj Mahal bis Bob Dylan fand). Wie er in „Samson and Delilah“ und „Twelve Gates to the City“ sein jeweiliges Solo kommentiert, muss man gehört haben. „Death don’t have no Mercy“ singt er dann wieder mit der Autorität eines Mannes, der sich auskennt: Der Tod kommt in dein Haus, und er bleibt nicht lang. Ein Klassiker, fürs Vinyl vorbildlich analog gemastert.
LÖ
Blind Gary Davis:
„Harlem Street Singer“ (Prestige/Bluesville/Craft).
★★★★★ Hervorragend