Eine Insel der Ruhe

von Redaktion

Die Münchner Philharmoniker widmen sich der amerikanischen Musik

Hörbare Freude: Der Cellist Alban Gerhardt in der Isarphilharmonie. © Tobias Hase / mphil

Mit ihrem ersten Konzert des Jahres haben die Münchner Philharmoniker in der Isarphilharmonie den Themenschwerpunkt „Amerika“ eingeläutet – und wollen damit den albtraumhaften Wendungen des American Dream die verbindende Kraft kultureller Imagination entgegensetzen: „Music first!“

Den Auftakt gibt Duke Ellingtons Hommage an „Three black Kings“ für Saxofon und Orchester. Das Spätwerk der Jazzlegende verzeichnet seinen typischen Swing, während die orchestrale Erweiterung der Big Band durchaus reizvolle Klangfarben hervorbringt – aber doch den Vibe der klassischen Standards etwas vermissen lässt. Das liegt nicht am smarten Solisten Matthias Ambrosius und auch nicht am kurzfristig für Santtu-Matias Rouvali eingesprungenen Dirigenten Patrick Hahn – der seine Neigung zum Jazz im Anschluss bei „MPHIL Late“ auch am Klavier demonstriert. Vielmehr lebt diese Art Musik von der Intimität kleinerer Formationen – auch das zeigt sich bei der Late-Night-Session nach dem eigentlichen Konzert. Da geht es nach Ellington weiter mit der europäischen Erstaufführung der hierzulande kaum bekannten Joan Tower. Ihr 2021 entstandenes Cellokonzert „A new Day“ hat wenig mit der europäisch geprägten Neuen Musik zu tun. Vielmehr erinnern die klassisch angelegten vier Sätze mit ihren expressiven bis lyrischen Träumereien an die klassische Moderne. Mit sicht- und hörbarer Freude geht der Solist Alban Gerhardt zu Werk, der als Zugabe „ein bisschen Bach im amerikanischen Abend“ anbietet und damit eine Insel der Ruhe kreiert.

Nach der Pause geht es mit Charles Ives zurück in die Neue Welt. Seine zarte 2. Symphonie sampelt verschiedenste musikalische Versatzstücke von dies- und jenseits des Atlantiks – und kann damit als Bindeglied von Alter und Neuer Welt gedeutet werden, wo heute zunehmend raue Töne vorherrschen und von fragwürdigen Wortführern ausgetauscht werden…
ANNA SCHÜRMER

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