Auf zu neuen Abenteuern

von Redaktion

Der französische Oboist François Leleux gastiert im Prinzregententheater

Prophezeiung eingetroffen: Als der Oboist François Leleux 1991 den ARD-Musikwettbewerb gewann, wurde ihm vorausgesagt, dass er auch als Dirigent arbeiten würde. © Uwe Arens

Die Münchner Musikfreunde kennen ihn gut: François Leleux, den französischen Oboisten. Als blutjunger Musiker rückte er 1993 in die Reihen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) auf und gab als Solo-Oboist dort vor vielen Proben und Konzerten den Ton an – das eingestrichene A. Bis 2004 gehörte Leleux dem BRSO an, war aber auch als Solist gefragt.

Schon einige Jahre zuvor, 1991, hatte der damals 19-Jährige gute Erfahrungen in München gemacht: Er war als Sieger aus dem ARD-Wettbewerb hervorgegangen. Gern erinnert sich Leleux zurück: „Die Wettbewerbsleiterin Renate Ronnefeldt sagte zu mir: ‚Sie sind der geborene Dirigent.‘ Und sie wettete sogar darauf, dass ich bald am Pult stehen würde. Sie hat gewonnen“, sagt der mittlerweile 53-Jährige, der in der Saison 2025/26 als Chef die Kammerakademie Potsdam übernimmt, im Gespräch mit unserer Zeitung und lacht.

„Es war, wie wir Franzosen sagen, ein Coup de foudre. Es hat sofort gefunkt, als ich 2023 die Kammerakademie erstmals leitete. Die künstlerische Einstellung, die Abenteuerlust des vor 20 Jahren gegründeten Ensembles sind herausragend.“ Mit den 34 Musikerinnen und Musikern aus zehn Nationen führt Leleux Gespräche auf Augenhöhe. „Jeder Einzelne ist wichtig, beteiligt und verantwortlich“, betont der designierte Chef, der in dieser Teilhabe auch ein wichtiges gesellschaftliches Vorbild sieht.

Dass die Mitglieder der Kammerakademie breit aufgestellt sind und zudem neugierig auf seine neuen Wege, freut den Dirigenten sehr. „Ein Konzert muss ein Musik-Erlebnis und kein Museums-Besuch sein. Schon beim Betreten des Hauses muss das Abenteuer beginnen! Wir wollen einiges wagen in Richtung Konzerte der Zukunft und Verankerung des Orchesters innerhalb der Gesellschaft. Mehr kann ich noch nicht verraten.“ Das nächste Konzert mit der Potsdamer Kammerakademie, dem ersten Orchester des Landes Brandenburg, das Leleux dirigiert, findet am 1. März in Potsdam statt. Auf dem Programm stehen Werke von Mozart, Ravel und Debussy.

Natürlich lagen zwischen der frühen Prophezeiung und der bevorstehenden Orchester-Übernahme viele Stationen: Das Ensemble Del’Arte aus Neuburg an der Donau ließ schon 1996 nicht locker und engagierte den BR-Oboisten als Dirigenten. „Ich war 25 Jahre alt, als ich mein erstes Konzert mit den Neuburgern dirigierte.“

Dass das Dirigieren ihn so fesseln würde, ahnte der Student nicht, der bereits mit 14 am Pariser Konservatorium unterrichtet wurde. „Mein Ziel war es, in ein großes Orchester zu kommen.“ Das gelang. Er musizierte mit dem Orchestre National de France, mit dem Jugendorchester der Europäischen Gemeinschaft unter Claudio Abbado und übernahm schon als 18-Jähriger die Solo-Oboe im Orchester der Pariser Bastille-Oper. Dazu kamen seine internationalen Auftritte als Solist.

In dieser Zeit, sagt Leleux, habe er viel gelernt. Nicht zuletzt von großen Dirigenten. „Ich hatte mit Lorin Maazel viele, eindringliche Gespräche, habe mit Daniel Barenboim gearbeitet und saß auch als Hospitant in der Dirigierklasse von Alan Gilbert in New York.“

Oft ist er bei seinen Auftritten mittlerweile Solist und Dirigent – „die Veranstalter wollen immer auch den Oboisten“, erzählt Leleux schmunzelnd. Die Kammermusik hat im Leben des Musikers einen hohen Stellenwert. Und er will etwas zurückgeben an die junge Generation: Als Professor an der Münchner Musikhochschule, „wo ich Schüler aus aller Welt unterrichte“.

Bevor François Leleux aber von September an im märkischen Sand fest Fuß fassen will, beglückt er seine Münchner Fans mit Auftritten: Gerade gastierte er mit seinem Bläserensemble Les Vents Français im Rahmen der Kammermusikwoche auf Schloss Elmau und morgen ist er beim Münchener Kammerorchester als Solist in Bohuslav Martinus Konzert für Oboe und kleines Orchester im Prinzregententheater zu hören.

Wer sein Konzerterlebnis mit einem Ausflug nach Salzburg verbinden möchte, kann François Leleux während der Mozartwoche begegnen. Zusammen mit seiner Frau, der weltweit gefeierten Geigerin Lisa Batiashvili, und der Camerata Salzburg wird er Werke von Bach, Mozart und Tsotne Zedginidze aufführen. Darunter die erste Symphonie des 2009 geborenen Georgiers als Uraufführung (28. Januar, 19.30 Uhr, Mozarteum, Salzburg).
GABRIELE LUSTER

Konzert in München:

François Leleux spielt morgen,
20 Uhr, mit dem Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater; Karten online unter www.muenchenticket.de oder unter Telefon 089/46 13 64 30.

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