Eva Völler spricht in ihrem historischen Krimi „Alte Taten, neuer Zorn“ ein besonders beschämendes Kapitel der jungen westdeutschen Nachkriegsdemokratie an. Kaum einer der Richter, die mit ihren Urteilen die Terrorherrschaft der Nazis unterstützt hatten, wurde jemals belangt und wenn, dann schnellstmöglich wieder rehabilitiert. Als Landgerichtspräsident Dr. Vahrendonk im Mai 1949 vergiftet wird, überrascht es kaum, dass die Justiz mauert und Inspektor Carl Bruns bei seinen Ermittlungen nach Kräften behindert. Trotz aller Widerstände spürt der Ermittler Verdächtige auf, die Angehörige durch die Todesurteile des Richters verloren haben. Thematisch ein hochinteressanter Roman, der seine Stärken insbesondere auf der historisch-politischen Ebene ausspielt. Allerdings räumt die Autorin den persönlich-familiären Aspekten ihrer Figuren etwas viel Raum ein und lenkt dadurch vom eigentlichen Thema ab.
SP
Eva Völler:
„Alte Taten, neuer Zorn“. Droemer, 400 Seiten; 16,99 Euro.
★★★★☆ Lesenswert