„Good old Country Boy“: Ringo Starr auf dem Cover von „Look up“ (o.) und mit. Songwriter T Bone Burnett. © Universal
Anfang der Siebziger, als sich die anderen Beatles nach dem Bruch der Band noch sortierten, war Ringo Starr gleich wieder Publikumsliebling. Seine Solo-Platten verkauften sich prima, und gleich die zweite war eine besondere: „Beaucoups of Blues“, auf der er nur Countrysongs zum Besten gab. Begleitet von der Crème de la Crème des Genres: ElvisGitarrist Scottie Moore, Jim Buchanan an der Fiedel, Ben Keith an der Pedal-Steel-Gitarre und vielen mehr. Vielleicht liegt’s daran, dass Humor und Sentiment in dieser Musik genauso Hand in Hand gehen wie im Nordwesten Englands: Jedenfalls sei es jedem ans Herz gelegt, sich Songs wie „Fastest growing Heartache in the West“ anzuhören. Wie Ringo im breitesten Scouse-Akzent seiner Heimatstadt Liverpool singt: „I brought ’er here from Arkansas, a simple Country Girl“ – das hat einfach Charme.
Warum er das Feld nicht konsequent weiter bestellte, ist eine gute Frage – denn Ringo kann Country. Das hatte er erstmals bereits auf dem „Help“-Soundtrack 1965 gezeigt, mit „Act Naturally“, einer Buck-Owens-Nummer, die er mit seiner Barhocker-Stimme hübsch lakonisch sang. Daraufhin schrieben ihm Lennon und McCartney „What goes on?“ im gleichen Stil auf den Leib – und er sich selbst „Don’t pass me by“. Die Beatles-Kollegen stürmten in den Pop-Himmel, doch diese Songs waren simpel und erdverbunden.
Es sollte 50 Jahre dauern, bis Ringo zu seiner alten Liebe zurückkehrte. Jetzt hat sich der 84-Jährige mit Produzent/Songwriter T Bone Burnett zusammengetan. Der spielte bereits Gitarre für Bob Dylan und richtete Alben für Elvis Costello und Robert Plant ein, weiß ältere Herren also in Szene zu setzen. Die beiden hatten sich 2022 zufällig bei einer Veranstaltung in Los Angeles getroffen und Starr Burnett gebeten, einen Song für eine EP zu schreiben, die er gerade aufnahm. Burnett schrieb gleich neun, alle im Country-Stil. Eine ganze LP also.
Und Ringo schmeißt sich auf „Look up“ mit Verve in die US-Tradition. Die klingt 2025 natürlich weniger reinrassig als 1970 – dafür vielseitiger. „Breathless“ rumpelt los wie die Everly Brothers, „Rosetta“ (mit Billy Strings und Larkin Poe) brodelt lässig an der Grenze zum Indie-Rock, in „Come back“ barmt Ringo mit den singenden Gitarren um die Wette, und Bluegrass-Goldkehlchen Alison Krauss veredelt am Ende „Thankful“ zu einer grundehrlichen Feier der Dankbarkeit.
Früher mögen John und Paul ihm Countrysongs zugeschustert haben, damit ihr Drummer auch was zu Singen hat. Doch heute merkt man: Der ist da wirklich zu Hause. In dem Stil kann er gerne weitermachen. Yee-haw, Ringo!
JOHANNES LÖHR
Ringo Starr:
„Look Up“ (Lost Highway / UME).