„Unvergleichliches Engagement“

von Redaktion

Sir Simon Rattle erhält 2025 den renommierten Ernst von Siemens Musikpreis

Der Preisträger bei der Arbeit: Simon Rattle am Pult des neuen Orchesters BRSO hip. © Astrid Ackermann

Die Mitteilung provoziert erst einmal Stirnrunzeln: Hat er diese Auszeichnung nicht schon längst bekommen? Hat er nicht: Sir Simon Rattle bekommt in diesem Jahr den Ernst von Siemens Musikpreis. Dieser ist mit 250 000 Euro dotiert und gilt als einer der wichtigsten Kulturpreise weltweit. Verleihung ist am 17. Mai im Herkulessaal. Die mit je 35 000 Euro ausgestatteten Förderpreise Komposition gehen an den iranisch-kanadischen Komponisten Ashkan Behzadi, an Bastien David aus Frankreich und an die Norwegerin Kristine Tjøgersen.

Rattle, seit September 2023 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, stehe „für herausragende Interpretationen, für Offenheit gegenüber unterschiedlichen musikalischen Genres sowie für ein unvergleichliches Engagement in der Vermittlungsarbeit“, begründete die Siemens-Stiftung ihre Wahl. „Er möchte die klassische Musik möglichst vielen Menschen zugänglich machen.“ Dazu wird auf seine Arbeit als Chef der Berliner Philharmonikern verwiesen, als er Late-Night-Konzerte mit ungewöhnlichen Programmen etablierte und die Digital Concert Hall mit aufbaute, mit der Konzerte weltweit im Internet übertragen werden. Sein bekanntestes Projekt in Berlin war das Nachwuchsprojekt „Rhythm is it“, über das auch ein Film entstand.

Auf die Frage, welche Träume er nun verwirklichen wolle, meinte Rattle: „Nun, das ist ziemlich schwer zu sagen. Aber Orchester sind ein kompliziertes Ökosystem. Ich würde wirklich das Wohlergehen und das Überleben der Orchester und der klassischen Musik in einer Welt sichern wollen, in der dies nicht immer als Priorität angesehen wird.“ Für die Zukunft der Musik würde er sicherstellen wollen, „dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben, nicht nur mit Musik in Kontakt zu kommen, sondern auch zu spielen und ein praktischer Teil dieser großen, außergewöhnlichen Kunstform zu sein.“

Rattle setzt als neuer Siemens-Musikpreisträger eine erlauchte Reihe fort. Erster Gewinner war 1974 der Komponist Benjamin Britten. Unter den Geehrten finden sich Solisten wie Dietrich Fischer-Dieskau, Anne-Sophie Mutter oder Alfred Brendel, Komponisten wie Wolfgang Rihm, Aribert Reimann oder Luciano Berio sowie Dirigenten wie Herbert von Karajan, Leonard Bernstein oder Claudio Abbado. Rattles Vorgänger beim BR-Symphonieorchester Mariss Jansons wurde 2013 geehrt.
MARKUS THIEL

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