Das Publikum im Deutschen Theater in München war beseelt – Tozzi und Kollegen (re.) in Spiellaune. © Martin Hangen
Nach 60 Jahren auf der Bühne ist Umberto Tozzi mit seiner Band heuer auf Abschiedstour. Das Publikum im Deutschen Theater war
Noch bevor der erste Ton gesungen oder gesagt ist, schallt es aus dem Publikum: „Grande Umbertooo!“, ruft da einer mit italienischer Inbrunst – und erntet zustimmende Lacher von den Zuhörerinnen und Zuhörern und ein zufriedenes Lächeln vom Angesprochenen auf der Bühne. Ja, die Menschen im Deutschen Theater freuen sich sehr, dass der große Umberto Tozzi auf seiner Abschiedstour auch in München haltmacht – und müssen sich dann doch eine ganze Weile gedulden, ehe es wirklich funkt zwischen dem italienischen Superstar und seinen Gästen.
Das liegt zum einen an der Location, die der 72-Jährige für sein Konzert gewählt hat. So wunderbar das Deutsche Theater für die allermeisten Produktionen funktioniert – Musical, Ballett, Theater – so suboptimal ist es für einen Auftritt, bei dem es die meisten Zuschauer (Italienerinnen!) eigentlich nicht auf den Plätzen halten mag. Man möchte tanzen zu all diesen Hits, die nach Sommer, Sonne, Meer und wunderschönen Erinnerungen klingen. Doch bis die Ersten aufstehen und feiern, ist die Sause fast schon rum. Zum anderen haben sich Tozzi, der in seiner fast 60 Jahre währenden Karriere mit über 80 Millionen verkauften Alben europäische Musikgeschichte geschrieben hat, und sein Orchester für eine minimalistische bis statische Inszenierung dieses Abends entschieden, die keine wirkliche Geschichte erzählt, sondern eher ein Lied, und sei es noch so schön, ans nächste reiht.
Tozzi eröffnet den Abend mit einer üppigen Lichtershow zu „Notte rosa“, ehe mit „Ti amo“ gleich der erste Mega-Klassiker kommt. Dann geht es Schlag auf Schlag. „Si può dare di più“, den Song, mit dem Tozzi 1987 das Festival von Sanremo gewann, startet er langsam, ehe es kraftvoll wird. Über „Immensamente“ geht es weiter mit „Qualcosa qualcuno“, einer etwas arg theatralischen Version von „Lei“ bis hin schließlich zu „Eva“.
Als merke er selbst, dass es das noch nicht wirklich gewesen sein kann, nimmt der Abend nun an Fahrt auf: „Gente di mare“, dieses zauberhafte Lied voller Nostalgie und Sehnsucht, reißt das Publikum endlich von den Sitzen. So geht das bitte – jetzt glitzert nicht nur der schwarze Hosenanzug des Sängers, sondern jetzt glitzert es im Saal. Bei „Io muoio di te“, „Stella stai“ und „Tu“ sind dann wirklich alle am Start – Ehrensache, dass „Gloria“ den krönenden Abschluss bildet.
Das Album zu „Gloria“, so hatte es Tozzi zu Beginn erzählt, entstand einst in München, im Union-Studio, 1979. „Bellissimi ricordi“, schönste Erinnerungen, habe er an diese Zeit, sagt der Italiener. Und die nehmen die Besucherinnen und Besucher am Montagabend nun auch mit heim. Ein bisschen mehr wäre vielleicht drin gewesen. Ein bisschen mehr Interaktion hätte der Sache nicht geschadet. Ein Großer bleibt Tozzi aber so oder so. In diesem Sinne: Grazie, Umberto!
STEFANIE THYSSEN