Bayern kann Weltklasse

von Redaktion

Feierliche Verleihung des Filmpreises in München

„Ein toller Mensch“: Schauspielerin Uschi Glas gewann den Ehrenpreis. © Vennenbernd/dpa

Da guckst du: Für beste Familienunterhaltung wurde „Woodwalkers“ nach der erfolgreichen Buchreihe der bayerischen Autorin Katja Brandis ausgezeichnet. © Studiocanal

Mit Taktgefühl: Lars Eidinger im ausgezeichneten Filmdrama „Sterben“. © Wild Bunch

Märchenhafte Karriere: Jella Haase in „Chantal im Märchenland“. Sie wurde als beste Darstellerin geehrt. © Constantin

Glückliches Gewinner-Team von „September 5“: (v. li.) Drehbuchautor Moritz Binder, Constantin-Chef Oliver Berben und Regisseur und Autor Tim Fehlbaum. © Gisela Schober für Constantin

Wirkt nach: Der berührende Film „Im toten Winkel“. Ausgezeichnet für die beste Regie. © Missing Films

Kann lustig und ernsthaft: Dafür wurde Christoph Maria Herbst ausgezeichnet. Hier in „Der Spitzname“. © Constantin

Ebenfalls höchst preisverdächtig: Leonie Beneschs Spiel in „September 5“. © CONSTANTIN

Stell dich hinten an, Hollywood. Denn ehe Anfang März die Oscars vergeben werden, bei denen möglicherweise auch Tim Fehlbaum, Moritz Binder und Alex David eine Trophäe für das beste Original-Drehbuch abgreifen können, ist München dran. Hier gewann der Film „September 5“, der auf einem Buch der drei gerade erwähnten Männer basiert, am Freitagabend den Bayerischen Filmpreis. Wie berichtet, erzählt Tim Fehlbaum, der hier auch Regie geführt hat, in „September 5“ fesselnd über das Olympia-Attentat 1972 in München – aus der Sicht des US-Fernsehsenders ABC Sports, der als erster eine Live-Kamera auf den Terrorakt hatte.

Doch nicht nur das Team von „September 5“ hatte im Münchner Prinzregententheater Grund zur Freude. Auch für Mareike Engelhardt wird der Bayerische Filmpreis Ansporn für ihre nächsten Arbeiten sein: Die 1983 in Berlin geborene Filmemacherin gewann eine Auszeichnung in der Kategorie „Newcomer Regie“. Ihr Debüt „Rabia“ verschaffe laut Jury-Begründung einem hochaktuellen Thema erstmals filmische Präsenz: dem Schicksal der sogenannten Bräute des Islamischen Staates. „Auf der Basis jahrelanger Recherchen und persönlicher Gespräche mit ehemaligen IS-Anhängerinnen gelingt ihr ein spannungsreiches und zugleich sensibles Porträt junger Frauen zwischen Ideologie und Missbrauch.“

Gesellschaftspolitisch ist auch der Film „Im toten Winkel“ von Ayse Polat, die dafür den Regiepreis erhielt. Der Titel des Films referenziert auf einen „blinden Fleck“ in der türkischen Geschichte, zu dem ausschließlich ein kleines Mädchen Zugang hat und seine Last trägt. „Aus einem handfesten politischen Thriller wird eine erschütternde Familiengeschichte, ja ein Mysterienspiel, das die Grenzen des Genres sprengt und uns zwingt, in ganz großen Bezügen zu denken – Kopfkino vom Feinsten, an dem Alfred Hitchcock seine helle Freude gehabt hätte“, lobte die Jury.

Doch in diesen mitunter kaum erträglich ernsten Zeiten feiert der Bayerische Filmpreis auch die leichte Muse. Etwa durch die Darsteller-Preise an zwei mit viel Sinn für Komik ausgestattete Schauspieler: Christoph Maria Herbst und Jella Haase durften sich jeweils über eine Auszeichnung freuen. Herbst als Anerkennung seiner Leistungen in gleich drei Filmen: „Ein Fest fürs Leben“, „Der Buchspazierer“ und „Der Spitzname“. Die Jury schreibt: „Drei sehr unterschiedliche Filme, was sie eint, ist das Genre ,Unterhaltung‘ – oft und gern geschmäht und dennoch so wichtig für das Kino und den Zuschauer, für Herz, Bauch und Hirn.“ Das gilt auch für Jella Haases Spiel in „Chantal im Märchenland“: „Jella Haase beeindruckt durch ihr pointenreiches und körperlich herausforderndes Spiel, zeigt eindrucksvoll, wie sie dank perfekter Mimik, Gestik, Bewegung und Sprache ihre Figur in jeder Nuance für die große Leinwand erobert“, heißt es in der Jury-Begründung.

Ein Vorbild für die erst 32-jährige Haase dürfte Uschi Glas sein, die am Freitagabend den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten entgegennahm. Filmfan Markus Söder zeigte sich angetan: „Uschi Glas ist eine Schauspiel-Ikone. Sie begeistert seit Jahrzehnten alle Generationen, steht für die bayerische Lebensart und hat ein großes Herz.“ Besonders wichtig ist dem bayerischen Ministerpräsidenten, der die Wahl in dieser Preiskategorie persönlich trifft, dabei, dass Uschi Glas „immer herzlich und gleichermaßen weltoffen wie geerdet“ geblieben sei: „Uschi Glas ist vor allem auch ein toller Mensch: Mit ihrem Verein ‚brotZeit‘ setzt sie sich für Kinder ein und organisiert ein gesundes Frühstück zum Start in den Tag. Dieses soziale Engagement ist außergewöhnlich. Uschi Glas ist ein großes Vorbild und eine wichtige Repräsentantin des Freistaats.“

Und so war dieser Abend auch eine Erinnerung daran: Ob regionale oder internationale Themen – Bayerns Kino kann Weltklasse.
KATJA KRAFT

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