ALBUM

Schweißnass in der Schweiz

von Redaktion

Die Verhältnisse sind schnell klar: Nach 26 Sekunden entblößt James Osterberg (76) seinen Oberkörper. Nach 34 Sekunden begrüßt er sein Publikum freundlich mit: „Yeah Motherfuckers, kiss my Ass!“ Den Rest der 80-Minuten-Show feuert der Mann mit dem Künstlernamen Iggy Pop aus allen Rohren. Nein, Jazz ist das nicht, was da im Jahr 2023 über das Jazz-Festival in Montreux hereinbricht. Es ist hundsgemeiner Rock’n’Roll in der ölverschmierten Detroiter Punk-Variante. Iggy haut alte Klassiker und ein paar weniger bekannte Fan-Favoriten raus – unterstützt von einem siebenköpfigen Bläserensemble. Ein Zugeständnis an die Akademiker vom Genfer See? Nichts da! Die scharfen Sätze akzentuieren die legendäre Brutalität dieser Musik noch. „TV Eye“ ist ja im Original der Stooges schon ein Triumph des Stumpfsinns. Aber hier prügeln sie dem Song die Seele aus dem Leib. „Lust for Life“ bekommt dagegen einen Soul-Anstrich, die Reggae-Akzente von „The Passenger“ werden verstärkt. Spätestens nach „I wanna be your Dog“ ist „fucking Schwitzerland“ schweißnass.

Iggy Pop:

„Live at Montreux“ (Ear Music).


★★★★★ Hervorragend

Artikel 6 von 11