Souverän: Michael A. Grimm (re.), Hubert Bail (li.) und Stephan Reiser. © V. Eckbauer
Der Titel des Stücks „Er nicht als er (zu, mit Robert Walser)“ lässt Schlimmes befürchten. Worum soll’s denn da gehen? Das offenbart sich wie in einigen Texten der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek erst auf den zweiten, dritten oder vierten Blick. Wie beim Zwiebelschälen dringt man auch in diesem Text der im Jahr 2004 mit dem Literaturnobelpreis Geehrten nur allmählich zum Kern des Ganzen vor.
Denn zuallererst ist die originelle Mischung aus Prosa und Drama eine innige Hommage an den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Schweizer Schriftsteller Robert Walser. Der fristete seine letzten Lebensjahrzehnte bis zum Tod 1956 in einer psychiatrischen Klinik inmitten der Appenzeller Bergwelt und schrieb dort kein einziges Wort mehr. Das Münchner Hofspielhaus zeigt den 1998 entstandenen „Er nicht als er (zu, mit Robert Walser)“ nun als den starken Abend dreier Schauspieler, der bestens unterhält, zugleich aber auch noch sehr kurzweilig die ganz großen Fragen von Leben, Tod und der Sinnhaftigkeit eines Autorendaseins stellt.
Regisseur und Dramaturg Alois-Michael Heigl rahmt seine drei Protagonisten Hubert Bail, Michael A. Grimm und Stephan Reiser auf drei Seiten mit Stühlen für das Publikum des winzigen Theaterraums ein. Doch die Männer wissen, mit der beklemmenden Enge souverän umzugehen. Auf kleinster Fläche stellen sie die kaum vorhandene Handlung einer Todestag-Gedenkfeier für Robert Walser in dessen Heilanstalt Herisau nach. Sie fechten mit Regenschirmen, erinnern sich, singen Gstanzl, lassen Walsers Bergstiefel im Kunstschnee wieder auferstehen und räsonieren über das Spazierengehen und über das, was nach dem Tod von einem Dichter bleibt, der allein durch Worte existierte.
Den monumentalen Textblock Jelineks hat Heigl clever aufgeteilt, sodass die Zeilen häufig wie Dialoge wirken. Stefan Reiser sorgt zusätzlich mit Klarinette oder Akkordeon für musikalische Auflockerung. Bail und Grimm verleihen ihren mal zart-komischen, mal sehr ernsthaften, aber vor allem auch sehr umfangreichen Textflächen eine hohe Intensität. Wie immer bei Jelinek möchte man sämtliche ihrer geistreichen Aphorismen sofort im Gedächtnis behalten. Da hilft vermutlich nur ein weiterer Besuch dieses wunderschön poetischen Abends.
Ulrike Frick
Nächste Vorstellungen
am 7. und 14. Februar
sowie am 20. März;
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