Ein Bühnenbeben

von Redaktion

Das Lumpenpack in Münchens Tonhalle

Diese Band muss bei ihren Fans nicht nach Liebe schreien. Im Gegenteil: Jedes Mal, wenn das Lumpenpack seinen Spaßpunk nach München bringt, wird das Lieblingsliedersingen größer, wilder und ruinöser für die Stimmbänder. Vom Backstage musste diesmal in die größere Tonhalle im Werksviertel umgebucht werden. Die Ober-Lumpen Jonas Frömming und Max Kennel versprachen, den ausverkauften Laden auf „Abrissfähigkeit“ zu testen. Und was soll man sagen? Halle erfolgreich abgerissen! Es hat sich gelohnt, so Jonas, „dass wir uns seit zwölf Jahren den Hintern wundspielen“.

Damals starteten die beiden als Poetry-Slammer. Doch seit 2020 ist das Lumpenpack als Band unterwegs, mit Bassistin Lola Schrode und Drummerin Alexandra Eckert im Maschinenraum.

Und, herrje, die Lumpen können rocken. Es war ein Bühnenbeben. Egal, ob Klassiker wie „Ford Fiesta“ und „HausKindBaum“ oder neue Songs wie das True-Crime-Spektakel „Sabine Rückert hat mich umgebracht“ – selten hat München ein so textfestes Publikum erlebt.

Da saßen sogar Kiddies auf den Schultern ihrer Väter und sangen selig jede Zeile mit. Es zahlt sich aus, dass das Lumpenpack den Schmäh aus Poetry-Slam-Zeiten in seine Rock-Ära überführt hat – wie beim verdauungsproblematischen „Unverträglichkeiten“: „Da ist Laktose in meinem Butterbrot. An Apple a day gives me Fruchtzuckertod.“

Zu danken ist den Lumpen außerdem für klare Haltung in beängstigenden Zeiten. Sie teilten das Publikum durch eine unüberwindbare „Brandmauer“. Und weil ihr TikTok-Hit „Kann es sein, dass Du dumm bist?“ bei AfD-Demos missbraucht wird, gehen seitdem alle Einnahmen aus dem Song an eine Organisation für Rechts-Aussteiger.

München hat wieder erlebt: Es braucht kein Medizinstudium, um mindestens so viel Spaß wie die Ärzte zu machen.
JÖRG HEINRICH

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