„Diese Krankheit ist unheilbar.“ Jussi Adler-Olsen (hier ein Archivfoto aus dem Jahr 2022) unterzieht sich derzeit dennoch einer Chemotherapie. © Henning Kaiser/dpa
Der Kopenhagener Schriftsteller Jussi Adler-Olsen zählt zu den großen Namen des Skandinavien-Krimis, die auch in Deutschland gerne gelesen werden. In einem Interview berichtet der 74-Jährige nun von einer schwerwiegenden Diagnose. Der Däne, der 1997 mit „Alfabethuset“ (deutscher Titel: „Das Alphabethaus“) sein Debüt hatte, ist unheilbar an Knochenmarkkrebs erkrankt, wie er in der dänischen Tageszeitung „Politiken“ jetzt öffentlich machte.
„Mir geht es gut. Den Umständen entsprechend“, sagte der Autor der Krimi-Reihe um den Spezialermittler Carl Mørck vom Sonderdezernat Q. „Aber ich werde an dieser Krankheit sterben. Sie ist unheilbar. Bis auf Weiteres jedenfalls.“ Er hoffe dennoch weiterhin auf neue Behandlungsmethoden.
Bereits im vergangenen Februar war er in ein Kopenhagener Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem er beim Schleppen von Umzugskartons plötzlich Rückenschmerzen bekommen hatte. Die Diagnose: Multiples Myelom, gemeinhin als Knochenmarkkrebs bekannt. Es habe sich gezeigt, dass drei Rückenwirbel zusammengebrochen waren, berichtete Adler-Olsen bei „Politiken“. „Der Krebs hat sie aufgefressen.“ Zwei weitere Wirbel sollten im Herbst folgen.
Nach dem Befund wurde er in eine Spezialabteilung des renommierten Kopenhagener Reichskrankenhauses verlegt. Fast ein halbes Jahr lag er dort – unter seinem bürgerlichen Namen Carl Olsen, damit er möglichst ungestört mit seiner Diagnose und den enormen Schmerzen fertig werden konnte. Termine sagte er allesamt ab, darunter auch eine Lesereise durch Deutschland (wir berichteten).
Mit Krebs hat Adler-Olsen bereits mehrmals Bekanntschaft gemacht. Im Jahr 2000 wurde bei ihm Dickdarmkrebs festgestellt, 2009 dann Prostatakrebs. Zwei Jahre später wurden bei einer Routineuntersuchung erneut Krebszellen gefunden. Diesmal ist die Erkrankung noch ernster. Vor einiger Zeit betrug die durchschnittliche Überlebensdauer von Erkrankten drei Jahre, sagte der Schriftsteller. Nun hoffe man auf sieben bis zehn Jahre.
Jussi Adler-Olsen zählt zu den bekanntesten KrimiAutoren Skandinaviens. Seine Mørck-Romane gelten als eine der erfolgreichsten Thriller-Reihen der vergangenen Jahre, gerade in Deutschland feierten sie große Erfolge.
Mit „Kvinden i buret“ erschien 2007 der erste Band in seiner Heimat – die deutsche Übersetzung mit dem Titel „Erbarmen“ folgte zwei Jahre später bei dtv. Der Roman wurde 2013 auch verfilmt, ebenso wie andere seiner Werke.
Adler-Olsens zehnter und letzter Teil der Reihe, „Verraten“, war erst im vergangenen März in den deutschen Buchhandel gekommen. Als „würdigen Abschluss“ bezeichnete die Kritikerin unserer Zeitung das Buch. „Adler-Olsen bietet seinen Fans genau das, wofür sie ihm so ausdauernd die Treue halten: Unterhaltung mit Hochspannung – wie im opulent aufbereiteten Hollywood-Blockbuster. Auch da lautet die Devise bekanntlich oft Holzhammer statt Florett. Sprachlich ist ,Verraten‘ wie die Vorgängerbücher ziemlich grob gehauen, intellektuelle Arabesken und poetische Schnörkel finden sich nirgendwo. Was aber nicht weiter irritiert bei einer Geschichte, die großteils im Gefängnis und unter dessen Insassen spielt.“
Die Serie um das Sonderdezernat Q wird nun von den beiden Autorinnen Line Holm und Stine Bolther fortgesetzt. Auch das kündigte der Schriftsteller bei „Politiken“ an. Er selbst werde dabei im Hintergrund als Berater tätig sein.
Erstgenannte ist eine in ihrer Heimat mehrfach ausgezeichnete Investigativjournalistin. Sie arbeitet für die „Berlingske“, eine der größten dänischen Zeitungen. Bolther, 1976 geboren und damit ein Jahr jünger als Holm, arbeitet als Fernsehmoderatorin und ist als Kriminalreporterin tätig. Gemeinsam haben die beiden die Reihe um die Cold-Case-Expertin Mara Just geschaffen; der dritte Band, „Eiskalte Schuld“, ist soeben auf Deutsch im Münchner Heyne-Verlag erschienen.
Den elften Teil von Jussi Adler-Olsens Reihe wollen die beiden Schriftstellerinnen in Dänemark bereits heuer im März unter dem Titel „Døde sjæle synger ikke“ (Tote Seelen singen nicht) herausbringen – dann allerdings mit einer weiblichen Hauptfigur französischer Herkunft namens Helena Henry. Wann das Buch bei uns erscheinen wird, ist noch offen.
STEFFEN TRUMPF