Eine echte Mannschaftsleistung

von Redaktion

Steven Sloane mit der „Eroica“ am Pult der Münchner Symphoniker im Prinzregententheater

Beethoven zählt bei den Münchner Symphonikern von jeher zu den Kernkompetenzen. Kaum eine Spielzeit, in der seine Werke nicht prominent vertreten wären. Zur Freude des Publikums, das sich nun von der „Eroica“ ins Prinzregententheater locken ließ. Die Spannung besteht dabei auch immer in der Frage, ob und wie es wohl gelingen wird, den Klassiker selbst bei der x-ten Begegnung noch frisch zu halten. Doch die Antwort hierauf ist bei den Symphonikern leicht gefunden. Neben ambitionierten Chefs wie Kevin John Edusei oder aktuell Joseph Bastian lädt man sich immer wieder auch Gäste ans Pult, die das Orchester herausfordern.

Hier reihte sich Steven Sloane ein, der bei seiner Sicht auf die „Eroica“ einen historisch informierten Klang pflegte. Leicht federnd im Kopfsatz, mit dem er die nötige Fallhöhe für den düsteren Trauermarsch aufbaute. Der bahnte sich zögernden Schrittes seinen Weg, verlor aber trotz breiter Tempi nie an Spannung. Ein kurzes Aufatmen gewährte erst das scharfkantige Scherzo, das beinahe bruchlos ins energische Finale überging. Vor allem hier stachen noch einmal besonders die Parallelen zum ersten Werk des Abends ins Ohr. Bereits Haydns Symphonie Nr. 6 hatte der Dirigent ähnlich transparent aufgefächert und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Mit der nötigen Ruhe für die beschauliche Morgenstimmung, aber ebenso mit ironischem Schmunzeln für die misslungene Gesangsstunde, die Haydn im zweiten Satz parodiert. Wobei Konzertmeisterin Ulrike Kraew ebenso ihren Moment im Rampenlicht bekam wie die Bläser-Soli.

Eingerahmt hiervon war als Gruß aus der US-Heimat des Dirigenten Samuel Barbers „Knoxville: Summer of 1915“ zu erleben. Ein soghaft strömendes Stimmungsbild, dessen unterschwellige Melancholie von Sopranistin Jessica Muirhead in immer neuen Farbschattierungen eingefangen wurde. Klar in der Diktion und einfühlsam begleitet von Sloane, der sich als echter Teamplayer erwies. Da passte es, dass er seinen Applaus am Ende nicht allein entgegennahm, sondern sich bescheiden ins Orchester einreihte, um Arm in Arm mit Celli und Bratschen den Jubel zu genießen. Ein langjähriger Abonnent kommentierte dies mit den Worten: „Der darf ruhig mal wieder kommen.“ Ein frommer Wunsch, dem man sich nur anschließen kann.
TOBIAS HELL

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