In „Yunan“ mit Georges Khabbaz und Hanna Schygulla geht es um einen Exilautor, der auf einer Hallig seinen Suizid plant.
Lars Eidinger in „Das Licht“. Der Film von Tom Tykwer eröffnet am 13. Februar die Berlinale. © Berlinale
Festival mit Bärchencharme: Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle hofft, dass während dieser Berlinale „über die Lebendigkeit der Kunstform und die Filme“ gesprochen wird. © VINCENT KOLBE
Bei ihrer ersten Berlinale als Intendantin wird Tricia Tuttle gleich die ganz große Aufmerksamkeit erfahren. Denn die Internationalen Filmfestspiele Berlin befinden sich im Jubiläumsjahr. Die 75. Ausgabe vom 13. bis zum 23. Februar soll die Vitalität des Films – und des Festivals – zum Ausdruck bringen, das kündigt die Intendantin an. „Wir hoffen und wir glauben, dass die Filme, die das Publikum in den Wochen des Festivals sehen wird, die Menschen dazu bringen werden, über die Lebendigkeit der Kunstform und die Filme selbst zu sprechen“, sagte Tuttle im Januar bei der Vorstellung des Programms. Eine Hoffnung, die auch im Zeichen des Eklats bei der Abschlussgala im vergangenen Jahr stehen dürfte. Damals hatten Redner auf der Bühne scharfe Kritik an Israels Vorgehen im Gaza-Krieg geübt.
Wie schon vor der vergangenen Berlinale geplant, hat die US-Amerikanerin vor knapp einem Jahr die Leitung von ihren Vorgängern Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek übernommen. Der Intendant und die Geschäftsführerin hatten die Berlinale unter anderem durch die schwierigen Pandemie-Jahre gelotst. Tuttle als erste weibliche Berlinale-Intendantin leitete zuvor das Londoner Filmfestival.
Im knapp 200 aktuelle Filme umfassenden Jubiläumsprogramm des größten Publikumsfilmfestivals der Welt hat die neue Intendantin eine erste sichtbare Änderung vorgenommen: Die unter Vorgänger Chatrian ins Leben gerufene Sektion „Encounters“ für eher wagemutige Filme wurde abgeschafft. Stattdessen gibt es nun die Sektion „Perspectives“ für Spielfilmdebüts aus aller Welt. Aus Deutschland ist „Mit der Faust in die Welt schlagen“ von Constanze Klaue dabei. Der Film handelt von zwei Brüdern, die ohne Perspektiven in der ostdeutschen Provinz aufwachsen.
Unter den 19 Filmen im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären finden sich lediglich zwei aus Deutschland: Frédéric Hambalek zeigt „Was Marielle weiß“ mit Julia Jentsch und Felix Kramer – einen Film, in dem eine Tochter plötzlich alles sehen und hören kann, was ihre Eltern tun. Regisseur Ameer Fakher Eldin präsentiert „Yunan“ mit Georges Khabbaz, Hanna Schygulla, Sibel Kekilli und Tom Wlaschiha. In der internationalen Koproduktion geht es um einen Exilautor, der auf eine Hallig reist, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Einige bekannte Gesichter kommen zudem mit neuen Werken nach Berlin: etwa der Rumäne Radu Jude, der sich 2021 über den Goldenen Bären freuen konnte, mit „Kontinental 25“. Oder der südkoreanische Berlinale-Dauergast Hong Sangsoo mit „What does that Nature say to you“. Regie-Star des Wettbewerbs ist sicherlich Richard Linklater (64, „Before Sunrise“), der in der Vergangenheit bereits zwei Silberne Bären mit nach Hause nahm. In diesem Jahr zeigt der US-Amerikaner als Weltpremiere „Blue Moon“, ein biografisches Musikdrama über den Broadway-Komponisten Lorenz Hart mit Ethan Hawke und Margaret Qualley.
Die österreichische Regisseurin Johanna Moder präsentiert bei der Jubiläumsausgabe „Mother’s Baby“, eine Geschichte über eine Mutter nach einer traumatischen Geburt. In dem britischen Debütfilm „Hot Milk“ von Rebecca Lenkiewicz sind unter anderen Vicky Krieps und Fiona Shaw zu sehen. In weiteren Wettbewerbsfilmen wirken etwa Jessica Chastain, Marion Cotillard und August Diehl mit.
Eröffnet wird die Berlinale zum dritten Mal mit einem Film von Tom Tykwer. Im Familiendrama „Das Licht“ sind unter anderen Lars Eidinger und Nicolette Krebitz zu sehen. Zur Deutschlandpremiere von „Like a complete Unknown“, dem Musik-Biopic von James Mangold über Bob Dylan, können Fans auf Hollywood-Star Timothée Chalamet („Dune“) hoffen. Beide Filme laufen jenseits der Wettbewerbe. Anders als zuvor soll die Eröffnungsgala ohne Politikerreden auskommen und Film und Kino in den Mittelpunkt stellen. Die schottische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton wird dabei für ihr Lebenswerk mit einem Ehrenbären ausgezeichnet. Tuttle sieht die Berlinale als gesellschaftliches, weniger als politisches Festival, wie sie selbst sagt. Dabei endet das Festival just am Tag der Bundestagswahl. Am Vorabend wird wieder der beste Film mit dem Goldenen Bären geehrt. Silberne Bären gibt es unter anderem für die beste Regie, das beste Drehbuch und die besten schauspielerischen Leistungen.
KNA