Sitzen ist Schweben

von Redaktion

Trauer um den Designer Yrjö Kukkapuro

Yrjö Kukkapuros Klassiker: der Sessel „Karuselli“. © Vitra

Design-Genie: Yrjö Kukkapuro (1933-2025). © Mikko Stig/dpa

Ein Sessel, der die Anatomie des Menschen nachempfindet. Das ist nicht nur sehr bequem – das war auch revolutionär. Als der Designer Yrjö Kukkapuro Ende der Fünfzigerjahre seinen Prototyp im Rahmen der Ausstellung „Home of the Future“ in Helsinki vorstellte, war das der erste Schritt zum Kult-Objekt. Jetzt ist der Finne mit 91 Jahren gestorben.

„Karuselli“ nannte er seinen futuristisch wirkenden Drehsessel, den er in der Folge weiterentwickelte. Kukkapuro nutzte den damals recht neuen und damit entsprechend teuren Werkstoff Glasfaser. Als dieser in den Sechzigern günstiger wurde, war der Siegeszug des entspannten Möbelstücks nicht aufzuhalten. Die Grundform ist ein biegsames Stahlgeflecht. Der Schwingsitz aus glasfaserverstärktem Polyester ist durch eine Stahlfeder und Gummistoßdämpfer mit dem Sockel verbunden. Sitzen wird hier zum Schweben. Da wundert es nicht, dass „Karuselli“ auch zur Ausstattung der deutschen Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ gehörte.

Yrjö Kukkapuros Arbeiten sind aber nicht nur im Weltall unterwegs, sondern auch in Museen zu bestaunen, etwa im Londoner Victoria and Albert Museum und im Museum of Modern Art in New York.
MICHAEL SCHLEICHER

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