Aus dem Archiv – auf die Bühne

von Redaktion

Alexandre Dratwicki über Vergessenes aus der Romantik

„Von vielen Stücken gab es bislang nicht einmal anständiges Notenmaterial“, berichtet der Musikwissenschaftler Alexandre Dratwicki. © Matteo De Fina

Bereits seit zehn Jahren besteht mittlerweile eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Münchner Rundfunkorchester und dem Palazzetto Bru Zane in Venedig. Gemeinsam realisiert man im Rahmen der Sonntagskonzerte immer wieder Aufführungen vergessener Opern der Romanik. Zuletzt etwa den „Mazeppa“ von Clemence de Grandval.

Neben solchen Großtaten ist das Team rund um den Musikwissenschaftler Alexandre Dratwicki allerdings auch im Bereich der Kammermusik stetig bemüht, Vergessenes wieder für das Repertoire zurückzuerobern. So nun ebenfalls am kommenden Dienstag, wenn man zu einem französisch gefärbten Kammerkonzert ins Sudio 1 des Funkhauses bittet.

Das positive Medienecho auf die bisherigen Projekte erfreut Dratwicki natürlich, doch der wichtigste Punkt bleibt für ihn immer die künstlerische Nachhaltigkeit. „Von vielen Stücken gab es bislang nicht einmal anständiges Notenmaterial. Aber nachdem wir das aufbereitet und oft auch noch auf Tonträgern herausgebracht haben, gibt es keine Entschuldigung mehr. Jetzt kann und muss man sich mit diesen Komponistinnen und Komponisten beschäftigen.“ Und dass die Arbeit des Palazzetto noch lange nicht beendet ist, wird bei einer Besichtigung des Archivs überdeutlich, wo sich die Noten nur so türmen.

In der europaweiten Kammermusikreihe der laufenden Saison rückt diesmal das Cello als „Seele der Romantik“ in den Mittelpunkt. Und nach Konzerten in Venedig, Rom oder Paris leisten nun auch die Cellistinnen und Cellisten des Rundfunkorchesters ihren Beitrag. Mit Werken von Jacques Offenbach und Fernand de la Tombelle, die damit in den Pariser Salons reüssierten. Aber auch mit Musik von Chopin, dessen Klavier-Préludes von Auguste Franchomme, einem Professor des Pariser Conservatoire, für vier Celli bearbeitet wurden. „Die ursprüngliche Idee dahinter war es, seinen Studenten zu ermöglichen, gemeinsam an einem Werk zu üben. Aber es entsprach gleichzeitig dem Geist der Zeit, als man versuchte, mit neuen Instrumenten-Kombinationen das Klangspektrum zu erweitern.“ Was den Mitgliedern des Rundfunkorchesters nun Gelegenheit gibt, im Zusammenspiel die individuellen Farben ihrer Instrumente zu zeigen.
Tobias Hell

Konzert

am Dienstag, 19.30 Uhr, im Studio 1 des BR-Funkhauses, Rundfunkplatz 1. Der Eintritt ist frei, um Spenden für den Freundeskreis des Rundfunkorchesters wird gebeten.

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