Hoffnungsvoll

von Redaktion

Jörg Widmann und das MKO verneigen sich vor Schumann

Bevor sich Jörg Widmann dem Münchener Kammerorchester (MKO) im Prinzregententheater zuwendet, richtet er sich ans Publikum. Das Jean-PaulZitat, das er seiner Schumann-Hommage vorangestellt hat, bekommt in Hörweite des katastrophalen Anschlags in München eine unmittelbar tröstliche Aussage: „Musik ist Mondlicht in der düsteren Nacht des Lebens“. Und dies zelebrieren das MKO und sein „Associate Conductor“ an diesem liebevoll gewebten Abend, an dem Widmann in Dialog mit Schumann tritt: als Dirigent, als Klavierbegleiter, als Komponist – nach einer Minute der Stille.

Die „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ sind typische Schumann’sche Klangzeichnungen: klar und doch lustvoll verspielt, charaktervoll, viril und vulnerabel. Widmann kostet die gesamte Gefühlspalette aus, die sich hinter den Vortragsbezeichnungen versteckt, mit denen Schumann auch die Fantasiestücke op. 73 für Violoncello und Klavier kolorierte: „Zart und mit Ausdruck“, „Lebhaft leicht“, „Rasch und mit Feuer“ spielen sich Solist Nicolas Altstaedt und Widmann (am Klavier) extrovertiert funkelnd und introvertiert lauschend durch die drei Sätze.

Nun ist Widmann nicht nur Dirigent und Pianist, sondern auch Klarinettist und zeitgenössischer Komponist. Allerdings verraten seine „5 Albumblätter für Violoncello und Orchester“ den Romantiker, der vielleicht nicht ganz so charaktervoll, aber mindestens so verspielt wie sein Vorbild Schumann zu Werke geht: „Mit Humor“ heißt eines der Stücke, in dem aus einer hoch virtuosen Cello-Kadenz eine überbordende orchestrale Groteske erwächst. Schumanns Symphonie Nr. 2 nach der Pause bewegt sich laut Widmann „aus dem Dunkel ins Licht“ – und spendet Hoffnung.
ANNA SCHÜRMER

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