Raumgreifend

von Redaktion

Die BR-Symphoniker und BR-Chor mit dem Deutschen Requiem

Obwohl keine niederschmetternden „Dies Irae“ die Zuhörer erzittern lassen, kann auch in Johannes Brahms’ Deutschem Requiem einiges an Dramatik freigesetzt werden. Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks lieferten unter Sir Simon Rattles Leitung am Donnerstag im (zu kleinen) Herkulessaal den Beweis dafür. In seinem siebenteiligen Werk bedient sich Brahms nicht der lateinischen Liturgie, sondern kombinierte als ausgewiesener Bibelkenner Texte des Alten und Neuen Testaments, die er musikalisch eindrucksvoll umsetzte. Das in den 1860er-Jahren entstandene Deutsche Requiem avancierte zu seinem beliebtesten Werk.

Der ausgewogen und groß besetzte und von Krista Audere vorzüglich vorbereitete BR-Chor ließ sich von Rattle aus zartesten Piani in Fortissimo-Ausbrüche locken, wie in „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“, bevor das Versöhnliche des Mittelteils in feinen Nuancen und Schattierungen erklang und die Hoffnung auf Erlösung zuletzt beinahe triumphierte. Auch in den beiden Fugen in den Teilen III und VI agierte der Chor souverän und beweglich. Allerdings hätte man sich gerade hier – auch für das Orchester – mehr Raum gewünscht, um die Kompaktheit des Klangs zu durchlüften. Mit markantem Bariton und bester Textbehandlung erfüllte Michael Nagy seinen Part, während Lucy Crowe ihren hellen Sopran nicht ganz ausgeglichen führte.

Zum Auftakt hatten sich Rattle und die BR-Symphoniker dem ebenfalls sehr persönlich geprägten „Remembering“ von MarkAnthony Turnage gewidmet, in dem dieser des jung verstorbenen Freundes Evan Scofield gedenkt. Dabei verströmte das mit Schlagwerk bestückte Orchester einen oft metallischen Klang, machten Schmerz und Verzweiflung sich auch im zerfetzten Walzer Luft. Versöhnlichere Töne schlugen Saxofon sowie Solo-Violine und -Cello bei ihrem Weltabschiedsgesang an.
GABRIELE LUSTER

Artikel 4 von 11