Richard Riemerschmids „In freier Natur“ wird im Rahmen der nächsten Ausstellung „Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst“ vom 4. März an gezeigt. © Lenbachhaus
Es wird getanzt: Choreograf Richard Siegal und seine Truppe gastieren vom 29. Mai an mit der Produktion „art.Life“ im Lenbachhaus. © Richard Siegal/BOD
Jahrespressekonferenzen sind naturgemäß Vorschauen, sozusagen Lockstoff fürs Publikum, das die Vorfreude aufs Kommende genießen soll. Dazu kommen ein bissl Bilanz und ein bissl Selbstlob – und dieses Mal ein Abschied. In Münchens Städtischer Galerie in Lenbachhaus und Kunstbau sagte der scheidende Kulturreferent Anton Biebl ade. Wie berichtet, wird er den Museen zwar treu bleiben, allerdings den staatlichen. Er soll die Idee von Kunstminister Markus Blume umsetzen, den bayerischen Häusern noch mehr Geltung zu verschaffen. Im Lenbachhaus sprach er von „Dankbarkeit und Stolz“, generell und insbesondere, was das vergangene Jahr betraf. Mit 370 924 Besuchern sei es das zweiterfolgreichste (nach 2015 mit 406 000 Gästen) gewesen.
Biebl freute sich über die 700 Schulklassen genauso wie über die sensationelle Münter-Weltreise zu Museen von Madrid, Paris und New York, die üppigen und preiswerten Vermittlungsangebote („Bildung für alle ermöglichen“), Digitalisierung, Klimabilanz (ein Viertel weniger Energieverbrauch) und die politischen Impulse, die die Demokratie stärkten. Dazu zähle die aktuelle und in der Tat herausragende Schau „Aber hier leben? Nein danke. Surrealismus + Antifaschismus“; sie ist bis 30. März verlängert worden.
Zur Nachhaltigkeit gehört ebenso die Sanierung des Kunstbaus nach 30 Jahren. Er schließt im November und wird 2026 auf Vordermann gebracht. Bis dahin ist er Teil eines Programms, „das experimenteller sein und noch mehr Menschen erreichen soll“, erklärte Museumschef Matthias Mühling. Dazu gehöre zum Beispiel das Dance Festival, bei dem Richard Siegal und seine Truppe mit einer Choreografie auf Video-Installation sowie Trajal Harrall vertreten sein werden (ab 29. Mai). Viel bunter noch wird es bei „Hallo, mein Name ist Kunstbau“ ab 26. Juni zugehen, und zwar mit Aktionen zwischen Werkstatt, Gästezimmer und Bühne, obendrein mit Partner von einer Münchner Mittelschule bis zu den Ruhrgebietsspatzen. Meditativ dann ab 15. August das Leise-Servus-Sagen mit der verzaubernden Lichtinstallation von Dan Flavin (freier Eintritt), mit der 1994 die Untergrundhalle eröffnet wurde.
Die erste Ausstellung 2025 ab 4. März lockt passend zum Frühling ins Freie: „Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst“. Aus dem Sammlungsbestand samt teils Unbekanntem und neu Erworbenem genießen wir heitere Wiesen um 1900, die es so kaum mehr gibt, die flüchtigen Phänomene Schnee, Wolke, Wind und das märchenhafte Sehnen. Mit Auguste Herbin (1882-1960) offeriert das Lenbachhaus im Sommer einen französischen BlauerReiter-Bruder, der mit Farben prunkte und sich entspannt und selbstbewusst vom Expressiven bis zu einer Plakat-grafischen Ungegenständlichkeit bewegte. Höchste Zeit, dass er München erobert.
Die Herbst-Ausstellung „Shifting the Silence“ (ab 14. Oktober) ist das Überraschungs-Ei des Programms, heißt: erst im gedanklichen Entstehen. Inspiration sei der Titel des letzten Buchs von Künstlerin und Philosophin Etel Adnan, so Mühling (große Schau). „Out of Focus. Leonore Mau und Haiti“ widmet sich (sogar im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts) dem Fotokonvolut, für das ihr die Haitianerinnen Zugang zu Riten und Kulten gewährten (ab November). Die höchst eleganten Skulpturen von Iman Issa haben ab 25. November ihren Auftritt, der hinterkünftig sabotiert wird. Die sonst so biederen Werk-Beschriftungen haben sich emanzipiert und geben freche Kommentare ab. Diese Präsentation nimmt die aktuelle von Rosemarie Trockel und Thea Djordjadze auf in ihrer liebevollen Bespöttelung der Museumsatmosphäre. Die amüsante und sehenswerte „limitation of life“ läuft noch bis 27. April.
SIMONE DATTENBERGER