Ein Kapellmeister alter Schule: Marek Janowski dirigiert die BR-Symphoniker. © Astrid Ackermann
Nein, ein Pult-Star ist Marek Janowski nie geworden, ein großer Dirigent, der Orchester zum Erfolg führte und hochdekorierte Einspielungen (etwa Wagners „Ring“) vorlegte, allemal. Immer noch wird der in Warschau geborene, in Wuppertal aufgewachsene und an der Musikhochschule Köln ausgebildete, heute 86-Jährige als Kapellmeister alten Stils gerühmt. Vielleicht schlägt da bis heute das Vorbild eines seiner Kölner Lehrmeister durch: Wolfgang Sawallisch.
Am Donnerstagabend stand nun Marek Janowski wieder einmal am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks im leider nicht ausverkauften Herkulessaal. Und das, obwohl mit Beethovens Erster und Bruckners Dritter zwei beliebte Werke angesagt waren.
Ohne Noten, ohne jede Inszenierung der Werke oder seiner selbst und ohne Effekte, „einfach so“ konzentrierten sich Dirigent und Orchester auf die Musik, die höchst lebendig, farbig und strukturiert, aber nie akademisch den (eigentlich auch für Bruckner zu kleinen) Saal füllte. Janowski weiß, was die BR-Symphoniker können, und er rief es ohne viel Aufhebens ab: Dynamisch reich gestuft erklang schon Beethovens Symphonie Nr. 1 in C-Dur, deren Allegri energiegeladen vorangetrieben wurden. Dabei punkteten die homogenen Streicher ebenso wie das eloquente Holz, speziell im Andante oder im äußerst forsch akzentuierten, eigentlich nur noch so genannten Menuett.
Die dritte, „handlichste“ Fassung von Anton Bruckners Symphonie Nr. 3 in d-Moll aus dem Jahr 1889 gestaltete Janowski zusammen mit dem Orchester trotz aller Ein- und Abbrüche mit nicht nachlassender Spannung. Dabei wurden die dynamischen Steigerungen und Kontraste bis ins Kleinste ausgereizt, unterlegte der Dirigent die Wucht der Bläser mit der Rasanz der Streicher, strömte das vielgestaltige Adagio in breitem Fluss dahin, bevor Janowski das mit derbem Ländler bestückte Scherzo zündete. Auch das Finale beeindruckte mit einem differenzierten Klangbild.
Begeisterten Applaus gab es zuletzt auch für Hörner, Blech und Pauke und natürlich für Marek Janowski, der den Beifall des Orchesters rasch abfing – für alle.
GABRIELE LUSTER