Charismatisch: Schriftstellerin Isabel Allende. © Galuschka/dpa
Ihre 22 Romane verkauften sich rund 57 Millionen Mal. Damit zählt sie zu den kommerziell erfolgreichsten spanischsprachigen Autoren der Gegenwart. Eine Arte-Doku zeichnet den Lebensweg der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende nach, die erst im spanischen Exil ihren Durchbruch erzielte.
Was aber hat sie bis dahin gemacht? Für „Den Namenlosen eine Geschichte geben“, zu sehen heute um 22.15 Uhr, greift Filmemacher Christoph Goldmann auf eine Fülle von Archivmaterial zurück. Es zeigt Allende als junge Frau bei einem Auftritt als Revuetänzerin. Das Handwerk des Schreibens lernte sie als Journalistin.
Nach dem Militärputsch von 1973 ging Allende nach Venezuela, wo sie ihren ersten Roman „Das Geisterhaus“ verfasste. Aufmerksamkeit erregte ihr Erstling aber erst im spanischen Exil. Entscheidend hierfür war auch die Bekanntschaft mit Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld.
Der Film wirft aber auch Fragen auf, immerhin war sie eine nahe Verwandte des gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Doch diese Hintergründe werden nur kurz zusammengefasst. Isabel Allende selbst dagegen kommt sehr ausführlich zu Wort.
Man ist beeindruckt vom Charisma dieser Frau, ahnt aber schnell, dass sie zur Mitautorin des Films geworden zu sein scheint und dessen Sicht auf ihr Werk mitbestimmt. Drückt Autor Goldmann zu oft ein Auge zu? Diese Frage muss jede Zuschauerin und jeder Zuschauer für sich selbst beantworten.
MANFRED RIEPE